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Ein Artikel aus dem Aug. 1979 - "radio mentor electronic"

Die Zeitschrift war bei den Normalos nicht so weit verbreitet wie die Funkschau oder die Funktechnik oder die Hifi-Magazine jener Zeit. Bei uns sind nur wenige Exemplare eingelaufen. Und die Artikel waren nicht alle so fundiert wie dieser hier.

Der nachfolgende LVR-Promotion Text von der BASF zeigt ganz deutlich, daß die Manager dort den Zug der Zeit überhaupt nicht mehr mitbekommen hatten und an diesem alten unvolkommenen Sytem festgeklebt waren. Etwa zu der Zeit hatte Akio Morita seinen SONY Entwicklern die später so gennante Handycam Kamera bereits "aufs Auge gedrückt". Die Kamera sollte nach Moritas Vorstellungen maximal 1 Kilo wiegen und 1 Stunde Video aufzeichnen. Die 5 Kilo Gewicht der LVR Kamera waren bereits weit hinter dieser Idee her und aus späterer (Retro-) Sicht in 1979 bereits tot. Das Werk der BASF wurde nie fertig gestellt und als Ruine stehen gelassen.

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1979 - BASF demonstriert Longitudinal Videorecorder in Berlin

Video 2000 und LVR werden als europäische Alternativen auf der Internationalen Funk aus Stellung 1979 Berlin gestartet : Vorn die LVR Fischmaul-Cassette geöffnet unid dahinter zwei V 2000 Wende-Cassetten mit ihrem typischen Merkmal: die Schultzklappe vor dem Video-Magnetband lässt sich nach beiden Seiten öffnen.
LVR-Bandantrieb, von unten: geöffnete Cassette mit Bandwickel, Capstan mit Bandkanal und Magnetkopf, Aufwickelspule.

Mut zum Risiko und dazu einen langen Atem und den festen Glauben an den Erfolg braucht ein Unternehmen, das - wie jetzt die BASF - die AV-Welt mit einem Recorder-System konfrontiert, das ganz unkonventionell die Ursprünge der Magnetband-Aufzeichnung für Video wieder aufgreift und mit modernster Technologie realisiert.

Seit der ersten Präsentation vor einigen Presseleuten am 17. Juli 1974, die damals Diskussionen und Bewunderung auslöste, sind gut fünf Jahre vergangen, wenn nun die BASF am Eröffnungstag der Internationalen Funkausstellung Berlin 1979 ihr LVR-System dem Publikum vorstellt.

Die wichtigste Frage : Zu spät ?

Ob es dann nicht für ein weiteres und ganz neues System zu spät sei, beantwortet BASF mit einem Blick auf den Fernseher- und Recordermarkt in aller Welt. USA und Japan einerseits sowie Westeuropa andererseits haben heute je etwa 100 Millionen Haushalte, die in USA und Japan sind zu rund 95% mit Farbfernsehern versorgt, die westeuropäischen
durchschnittlich zu 40%.

Der Videorecorder-Bestand erreichte Ende vorigen Jahres in USA und Japan zusammen eine "Haushaltssättigung" von rund 1,3%, in Westeuropa von 0,5%. Wenn diese Zahlen voraussichtlich 1983 auf 11% beziehungsweise 5,5% gestiegen sein werden, dann müssen bis dahin 16,5 Millionen Heimvideo-Recorder verkauft sein. Da ist es kein Wunder, dass die Europäer heute noch mit neuen Systemen antreten können, und dass so mancher glaubt, die Szene werde sich erst um die Funkausstellung 1981 klären.

Die BASF konnte warten - dachten sie

So hat BASF bisher den Countdown für das eigene LVR-System abgewartet, und die Fachwelt wird nun sehen, was sich in der harten Konkurrenz der Systeme endgültig bewährt. Die BASF hat dafür eine LVR-Fabrik in Californien errichtet, die in diesem Herbst fertig wird, im ersten Quartal 1980 ihre Produktion aufnimmt und ab zweiten Quartal 1980 den Markt beliefert.

Das Prinzip der Longitudinal-Videorecorder

Das Prinzip der Longitudinal-Videorecorder ist bekannt: Anfang der 50er Jahre versuchten die Pioniere, Videosignale mit Bandtransportgeschwindigkeiten (und damit Registriergeschwindigkeiten) von 40m/s zu registrieren. Heute reichen für die Heimvideorecorder Geschwindigkeiten zwischen 4 und 6m/s, und beim LVR werden die schmalen Spuren nebeneinander parallel auf dem Band aufgezeichnet.

Für ein kontinuierliches Programm aus vielen Parallelspuren kann man entweder ein Endlosband (Toshiba) oder ein Band mit Anfang und Ende verwenden, dessen Laufgeschwindigkeit am Ende jeder Passage so schnell wie möglich umgeschaltet werden muss.

Dies Prinzip verfolgt BASF seit Jahren und hat es nun so weit entwickelt, dass diese Umschaltung mit präzisen 100ms genau fünf Halbbilder dauert, ein mit dem Fernsehsystem „synchronisierter Lidschlag".

LVR ist ein Vielspursystem

Interessanter Vorteil der LVR-Vielspursysteme ist der schnelle Zugriff zu einzelnen Programmteilen, weil der Videokopf quer zur Breite des Magnetbandes verschiebbar ist - automatisch bei normaler Aufnahme oder Wiedergabe und willkürlich gesteuert zur Anwahl einer bestimmten Spur.

LVR ist eine Kassettentechnik

Beim LVR von BASF sind das 72 Spuren von je 2 Minuten und 30 Sekunden Spieldauer. Attraktiv ist BASFs LVR durch die Kleinheit der drei Stunden-Cassette mit 114 x 106 x 17mm und einem Gewicht von nur 160g. Immerhin wiegt die VHS-Cassette 280g.

Das Kontakt-Wickelprinzip mit einem „62mm Capstan", der an Abwickel- und Aufwickelspule anliegt, ermöglicht auch Gerätekonstruktionen mit wesentlich kleineren Cassetten für kürzere Spieldauern, wie sie zum elektronischen Filmen in Konkurrenz zum Amateur-Schmalfilm in den 1980er Jahren interessant werden können.
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LVR ist systemunabhängig

Das auf dem LVR-Band aufgezeichnete Signal ist unabhängig vom Eingangs-Farbstandard. Im SAM-System werden abwechselnd die Farbdifferenzsignale R-Y und B-Y registriert, damit steht zwar je Zeile nur ein Farbsignal zur Verfügung (wie bei Secam), aber jede LVR-Cassette ist, so lange die Taktfrequenzen stimmen, auf jedem LVR-Recorder abzuspielen und gibt unabhängig vom Farbstandard der Aufnahme den Farbstandard des Wiedergabegerätes.

Die LVR Detail-Daten

Die Fischmaul-Cassette des LVR - unser Titelfoto - ist wie Dr. Gerhard Rotter als Leiter der Entwicklung in Californien meinte, ausschliesslich Hülle für den Kontaktwickel und hat keinerlei Führungsaufgaben.

Das Band fädelt sich mit seiner verstärkten und am Rand gezahnten Zunge beim Gerätestart automatisch ein. Es ist nur 8,5um dick mit 6um für die Trägerfolie und 2,5um für die Chromdioxidschicht. Im Bandkanal wird das Videoband "aerostatisch" geführt auf einem Luftpolster von 12 bis 35um Stärke, das mit einer Pumpe erzeugt wird, die genügend leise läuft, um nicht zu stören. Damit es keine Schwierigkeiten mit Feuchtigkeit oder Temperatur gibt, ist das System mit entsprechenden Sensoren ausgerüstet.

Die Videospuren haben auf dem 8mm breiten Band eine Periode von rund 100um. Dabei ist die eigentliche Videospur 68um breit. Die Toleranzen in der Spurhaltung sind höchstens 28um, so dass bei der Wiedergabe mindestens 40um der Videospur genutzt werden. Der dadurch auftretende Pegelverlust von maximal -4dB wird ausgeregelt. Der für Video und Audio gemeinsame Kopf hat einen Spalt von rund 0,3um Breite und dürfte rund 500 Betriebsstunden leben.
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  • Anmerkung : Das sind keine berauschenden Werte, da die FESE aus Darmstadt mit ihrem BCN Scanner bereits 1976 in etwa 1500 Stunden Standzeit (in Studioqualität) garantiert hatte, und später in der Praxis weit über 2000 Stunden Betriebsdauer erreichbar waren.

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Die Tonqualität

Die beiden Tonkanäle werden frequenzmoduliert mit einem Hub von 25kHz und Trägerschwingungen bei 100 beziehungsweise 200kHz registriert. Vorläufig sind bei vernachlässigbaren Werten für die Tonhöhenschwankung 12,5kHz Audiobandbreite bei einem Störabstand von 56dB erreicht. Mit Hicom wurden bereits 63dB gemessen. Ob beziehungsweise wann BASF sein LVR mit Hicom ausstattet, ist aber noch nicht entschieden.

Die Lücke im Programmablauf bei der Richtungsumkehr

Die 0,1 s dauernde Lücke im Programmablauf bei der Richtungsumkehr stört, wie die Vorführung beweist, wirklich nur minimal. Mit der Entwicklung der Festkörper-Bildspeicher wird es möglich sein, die Lücke von fünf Halbbildern durch ein Ersatzsignal auszufüllen. Die für die Tonwiedergabe wirksame Lücke ist wegen der Verhältnisse auf dem Band deutlich kürzer, sie soll bei 35ms liegen. Übrigens ist LVR auch sonst ein schnelles System, 0,5s nach dem Einschalten gibt der Recorder bereits ein stabiles Bild. Die Rückspulzeit ist höchstens 1Min. und 15s, es wird also mit doppelter Geschwindigkeit zurückgespult. Das Signal für die Richtungsumschaltung wird primär aus dem Durchmesser des Bandwickels abgeleitet; sowohl bei Aufnahme wie auch bei Wiedergabe wird dann nach dem Vorbereitungssignal genau in der Vertikal-Austastlücke geschaltet.

Das Vervielfältigen von LVR Videoprogrammen

Für das Vervielfältigen von Videoprogrammen auf Magnetband bietet das LVR-System mit seinen vielen Parallelspuren die Möglichkeit der Schnellkopie, für die alle 72 Spuren gleichzeitig kopiert werden. So kann man zum Beispiel ein Dreistunden-Programm in 2 1/2 Minuten kopieren. Etwas einfacher wäre eine Kopiermethode, bei der 2 mal je die Hälfte der Spuren kopiert wird, bei der man also fünf Minuten für das Dreistunden-Programm aufwendet. Auch in einer anderen Betriebsart wird die Gesamtzahl von 72 Spuren in zwei mal 36 aufgeteilt: Nachvertonen eines selbst aufgenommenen Programmes, wobei der Originalton mit dem Videosignal in den 36 Spuren des aufgenommenen Programmes ungeändert erhalten bleibt, und die Nachvertonung in der zweiten Hälfte von 36 Spuren registriert wird.

Der Recorder wiegt 5 Kilo

Das gibt natürlich halbierte Cassetten-Spieldauer, ermöglicht aber sogar eine sehr bequeme Korrektur des Zusatztones, also zum Beispiel des erläuternden Textes zu einem Amateurfilm. Dies Feature dürfte für die Zukunft des LVR als System zum elektronischen Filmen fast ebenso lohnend sein wie die Möglichkeit, LVR-Cassetten so weit zu verkleinern, dass sich ihr Laufwerk in eine Amateur-Farbfernsehkamera einbauen lässt.

Der LVR-Recorder für den Start auf der Funkausstellung ist zweiteilig gebaut, ein transportables Recorderteil von 5kg Gewicht und mit einer Batterie für eine Betriebszeit von 30 Minuten je Ladung und zusätzlich das Tunerteil mit Schaltuhr. Sämtliche Funktionen sind auch beim LVR über Mikroprozessor gesteuert und so gegen Fehlbedienung gesichert. Für bequemes Finden einer gewünschten Programmstelle wird die Nummer der Spur elektronisch angezeigt.

Die LVR Fabrik in Californien

Von diesem Modell will BASF im kommenden Jahr weltweit rund 35.000 bis 40.000 Geräte absetzen. Die Kapazität der Fabrik in Californien wird dann auf 100.000 Geräte jährlich kommen und könnte - so die Planung - in drei bis vier Jahren, also bis zur Mitte der 80er auf 400.000 Geräte gesteigert werden. Bis dahin werden dann allerdings auch andere LVR-Modelle auf dem Markt sein und - hoffentlich! - auch das Mini-LVR für den „elektronischen Filmamateur".

Und das LVR von Toshiba

In Chicago auf der Consumer Electronics Show demonstrierte Dr. Norikazu Sawazaki als „Senior Executive Director of Toshiba's Research and Development Center" sein LVR-System.

Im Gegensatz zu dem von BASF enthält seine Cassette ein endloses Band von 12,7mm Breite mit 220 parallelen Videospuren, die mit je 16,7s Laufzeit insgesamt eine Spieldauer der Cassette (135 x 140mm Fläche und 35mm Dicke) von einer Stunde ergeben. In dieser Cassette liegt der Videoband-Ringwickel, von dessen Innenseite das Band abgezogen wird, Kopfkombination und Capstan im Zentrum des Ringwickels passiert, um dann aussen wieder aufgespult zu werden, so wie es die Funktionsskizze zeigt.

Details zum Toshiba LVR

Bei diesem System läuft das Band mit 6m/s, muss allerdings mit Rücksicht auf die Gleiteigenschaften im Ringwickel auf seiner Rückseite geschmiert sein, was einige Probleme mit der Dropout-Rate bringt. Audio wird auch hier mit in der Videospur aufgezeichnet, allerdings - vorläufig - nur einkanalig. Auch beim Toshiba-LVR ist das Gesamtsystem mit einem Mikroprozessor gesteuert und der Benutzer kann jede gewünschte Spur einzeln ansteuern. Der in Chicago vorgeführte Recorder war 25x14x33cm gross und hatte ein Gewicht von 8kg. Allerdings wurden Gerät und Daten noch als vorläufig bezeichnet.
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  • Anmerkung : Das mit dem Gleitmittel auf der Rückseite des Bandes hatte dem in USA sehr erfolgreichen 8-Track System der Amerikaner von Lear den Garaus gemacht, weil das Laufwerk bereits nach wenigen Stunden fürchterlich jaulte und das ganze System verschmierte.

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Einige Daten zum LVR von Toshiba

Cassetten-Fläche 135x140 mm
Cassetten-Dicke 35 mm
Cassetten-Volumen 661,5 cm3
Magnetband-Breite 12,7 mm
Max. Spieldauer 60 Minuten
dafür Bandlänge 100 m
Transportgeschwindigkeit 600 cm/s
Registriergeschwindigkeit 6 m/s
Audiokanäle 1
Videoköpfe 1
Luminanz-Bandbreite 240 Zeilen
Video-Störabstand >42dB
Audio-Störabstand 40 dB

Videocassetten 1979

  V2000 SVR VCR-LP Betamax VHS LVR  
Fläche 183x110 126x145 126x145 156x96 188x104 114x106 mm
Dicke 26 41 41 25 25 17 mm
Volumen 523 750 750 375 490 205 cm3
Magnetbandbreite 12,7 12,7 12,7 12,7 12,7 8 mm
Max. Spieldauer 2 x 240 240 180 180 180 180 min
dafür Bandlänge 355 570 708 210 370 600 m
dafür Banddicke 14 16 13 17 20 8,5 um

Videoband-Nutzung 1979

  V2000 SVR VCR-LP Betamax VHS LVR  
Transport-Geschwindigkeit 2.44 3,95 6,5588 1,87 2,339 400 cm/s
Registrier-Geschwindigkeit 5,08 8.18 8,18 5,83 4.84 4.0 m/s
Halbbild-Spurlänge 101.614 163,62 163,62 121.8 96.9 80,0 mm
Spurwinkel 2,647° 3°42'52" 3°42'52" 5°57'50" 0  
Spurbreite 22.6 51 85 32 49 68um  
Spaltazimut ±15° ±15° ±15° ±7° ±6° 0  
Video-Breite 2x4.85 10,6 10.6 10.6 10,6 7.2 mm
Audiospur 2. aussen unten unten oben oben -  
Audio-Breite 2x0.65 0.7 0.7 1.05 1.0 - mm
Audio-Kanäle 1 oder 2 1 1 1 oder 2 1 2  
Steuerspur Mitte oben oben unten unten -  
Steuerspur-Breite 2x0,3 0.7 0.7 0.6 0.75 - mm
Bandfläche je Halbbild brutto 3.088 10.04 16.66 4.75 5.94   mm2
Bandfläche je Halbbild netto 2.29 8.38 13.9 3.9 4.74 5,44 mm2

Videocassetten-Systeme 1979, Daten

  V2000 SVR VCR-LP Betamax VHS LVR  
Kopftrommel-0 65 105 105 74,487 62 _ mm
Capstan-0 4,00   4.159 3.5 4 62 mm
Videoköpfe 2 2 2 2 2 1  
Luminanz-Band breite 3 MHz 3 MHz 3 MHz 300 Zeilen 290 Zeilen 3 MHz  
  (-15 dB) (-6 dB) (-18 dB) (-15 dB) (-6 dB) ( - 6 dB)  
Video-Störabstand 40 - 42 >42 45 >42 >40 >42 dB
Audio-Bandbreite 50... 10.000 (-6dB) 40... 12.000 (-6dB) 50... 12.000 (-6 dB) 50... 8000 70... 8000 40... 12.500 Hz
Audio-Störabstand 52 48 >40 >40 >40 56 dB
Bekannt seit: Juni 79 April 78 Juni 70 April 75 Okt. 75 Juli 74 (Prototyp) August 79  
Name. Bedeutung Video2000 Super Video Recording Video Cassette Recording Beta (jap): dicht an dicht Home Video System Longitudinal Video Recording  
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