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1980 - Der deutsche Fernsehmarkt kam ins Wanken - die ersten Wehklagen waren unüberhörbar - die ersten Pleiten kündigten sich an.

Jan 2013 - von Gert Redlich - Selbst Max Grundig als der Größte Hersteller Europas spürte die Nachfrageschwäche auf allen Gebieten seines Konzerns und suchte dringend Alternativen. Auch hier war der siegesgewohnte Chef leicht überrascht, wie schnell die Japaner ihm Marktanteile abspenstig machten. Doch die kleinen unter den Mitbewerbern traf es viel härter als den Marktführer. Auch wenn uns Konsumenten die wunderschönen Hochglanz-Prospekte noch die heile Welt vorhgaukelten und uns mit einer Unzahl an neuen Modellen und neuen Herstellern überfluteten, diese Welt war schon seit 1978 nicht mehr in Ordnung.

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ELO 1980 - Heft 09  - Nach den Unterlagen der Firma Saba.
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1980 - Wie ein Farbfernseher entsteht

Bildunterschrift Bild 1 :
"Hier muß mit der Lupe gearbeitet werden, denn klitzekleine Fehler in einer gedruckten Schaltung können die einwandfreie Funktion der komplizierten Schaltung in Frage stellen. Deshalb wird die Filmvorlage jeder neuen gedruckten Schaltung sorgfältig im Fotolabor überprüft."

Anmerkung (1) : Bei Grundig wurde schon mit einem Layout-Grafikprogramm auf einer teuren IBM Computeranlage gearbeitet. Die Japaner ließen sich in diesem Punkt nur selten in die Karten schaun, hatten aber in 1980 ganz bestimmt schon EDV Unterstützung. Diese Foto- Reprotechnik von SABA war schon deutlich hinter der Zeit her und sehr aufwendig und damit (zu) teuer.

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Bildunterschrift Bild 2 :
"Trotz gedruckter Schaltungen sind konventionelle Kabelverbindungen unentbehrlich. Das Abisolieren erfolgt übrigens vollautomatisch. Die Steckerschuhe werden angecrimpt, d. h. ohne Lötvorgang auf den Draht gepreßt."

Anmerkung (2) : Man hätte einfach nur einen der japanischen Massenfernseher aufschrauben müssen, um davon zu lernen. Dort hätte man sehen können, mit wie wenig Verkablung die Japaner auskommen, bzw. wie weit deren Chassis bereits weg von der manuellen Tätigkeit optimiert waren.

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Bildunterschrift Bild 3 :
"Fingerspitzengefühl und peinliche Genauigkeit sind an diesem Arbeitsplatz oberstes Gebot: Nach einem exakt festgelegten Prüfprogramm werden die elektrischen Funktionen eines Moduls überprüft."

Bildunterschrift Bild 4 :
"Zirka zweitausendmal am Tag gleitet hier geräuschlos ein Conveyer (Hängeförderer) vorbei. Er bringt die geprüften Grundplatten zur Chassis-Montage."

Anmerkung (3) : In dieser Zeile steckt ein Firmengehimnis. Also etwa 2000 Fernseher an ca. 250 Tagen wären die errechnete theoretische Jahresproduktion von etwa 500.000 Geräten. Das stimmte bei Saba aber schon gar nicht. Grundig produzierte etwa 1,5 bis 1,7 Milionen Fernseher (die Fabrik in Wien hätte 2,2 Millionen produzieren können) und konnte in dieser harten Zeit nur noch 1,2 Millionen absetzen. Unseres Wissens nach verließen bei Saba ganz deutlich weniger als 50.000 Fernseher pro Jahr die Werkshallen.

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Bildunterschrift Bild 5 :
"Das Chassis nimmt langsam Formen an. Es fehlen aber noch die Bildröhre, das Bedienteil und die Empfängerschaltung für die Infrarot-Fernsteuerung."

Bildunterschrift Bild 6 :
"Weit über 30 Einzelprüfungen und Abgleichpositionen muß das Basisteil-Chassis bestehen, bevor es diesen Kontrollplatz verlassen darf."

Bildunterschrift Bild 7 :
"Auch der Empfängerteil der Infrarot-Fernsteuerung wird einer gnadenlosen Funktionsprüfung unterzogen."

Was hier unter "gnadenlos" verstanden wird, ist sehr sehr zweideutig.

Bildunterschrift Bild 8 :
"Hier ist besondere Vorsicht geboten! Die vormontierten Vakuum Bildröhren werden sorgfältig durch einen Conveyor zur Endmontag befördert."

Bildunterschrift Bild 9 :
"Aus diesen Einzelteilen wird das Gehäuse zusammengebaut."

Bildunterschrift Bild 10 :
"Holz- bzw. Metall-Dekors werden durch das sogenannte „Hot-Stamp-Verfahren" (Heißprägeverfahren) auf die Frontrahmen der Farbfernsehgeräte gebracht."

Bildunterschrift Bild 11 :
"Farbenblinde Mitarbeiter müßten bei diesen Arbeiten im Endprüffeld kapitulieren. Die exakte endgültige Farbeinstellung der Bildröhre erfolgt visuell über einen verzerrungsfreien Spiegel."

Bildunterschrift Bild 12 :
"Damit das fix und fertige Gerät auch ja keinen Kratzer bekommt, wird es mit einem Vakuum-Saugheber zum Verpackungsplatz befördert."

Nachsatz auf dem großen Schaubild von Saba:

Wir schreiben das Jahr 1980 - Der ELO-Redaktuer merkt am Ende des Artikles an:

Noch einige Angaben, die vielleicht ganz interessant sind: Ein Farbfernsehgerät besteht aus zirka 2800 Einzelteilen (also inklusive des Kleinzeugs wie Schrauben, Muttern, Kunststoffteilen usw.). Unter diesen 2800 Einzelteilen befinden sich etwa 1200 aktive und passive Bauelemente, die vorwiegend in Moduln eingebaut werden.

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