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Peter Zudeick gibt uns einen allgemeinen Rückblick und einen Einblick in die sechs Kriegsjahre

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Gute Geschäfte mit der Rüstung

Eine „der Friedenswirtschaft sich möglichst angleichende Kriegswirtschaft" hatte die führende Wirtschaftszeitschrift „Der deutsche Volkswirt" im November 1939 den Deutschen versprochen, nachdem die Deutsche Wehrmacht am 1. September in Polen einmarschiert war und damit den Zweiten Weltkreig angezettelt hatte. In den ersten Jahren des Krieges - der „Blitzkrieg"-Phase - sah es auch tatsächlich danach aus. Aber bald wurde klar, „daß vom deutschen Volke die äußersten militärischen und wirtschaftlichen Anstrengungen verlangt werden", wie „Der deutsche Volkswirt" im Januar 1942 schreibt. Vor allem seit Albert Speer (von Februar 1942) an Minister für Bewaffnung und Munition war, erhöhte sich der Ausstoß von Kriegsmaterial beachtlich. Das wurde weniger durch eine Erhöhung der Industrieproduktion als durch eine Verlagerung der Produktionsschwerpunkte erreicht.

Eigentlich keine Steigerung der Produktion - eine Verlagerung

Nimmt man als Index für die Industrieproduktion von 1938 den Wert 100, dann ergibt sich für die Jahre 1939 bis 1944: 106, 102, 105, 106, 110, 108 - also keineswegs ein sensationeller Anstieg in den Kriegsjahren. Die enorme Steigerung der Rüstung wurde vielmehr dadurch erreicht, daß alle auch nur annähernd geeigneten Branchen und Betriebe für Rüstungsproduktion eingespannt wurden. Für die Rundfunkwirtschaft bedeutete das erhebliche Produktionseinbußen an Radiogeräten. Zwar war das Radio für die Nazis auch weiterhin das wichtigste Propagandamittel. Im ersten Kriegsjahr wurde das Sendernetz um 55 Stationen erweitert, seit dem 7. September 1939 war es verboten, ausländische Sender zu hören, was ohnehin nur Besitzern von Superhets möglich war. Die Volksempfänger konnten nur den jeweils nächstgelegenen Reichssender empfangen. Die „Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" bedrohte „das absichtliche Abhören ausländischer Sender" mit Zuchthaus, die Verbreitung von Nachrichten ausländischer Sender „in besonders schweren Fällen mit dem Tode".

Radiohören war Pflichterfüllung

Radiohören war im Krieg nichts weniger als eine vaterländische Pflichterfüllung. „Wir alle stehen heute zusammen in dem großen Freiheitskampf unseres herrlichen Reiches, auch wir Rundfunkhörer", heißt es in einer Mitteilung des Großdeutschen Rundfunks im Juni 1940. „Mit stolzer Überraschung erleben wir jetzt fast täglich, daß die Sendefolge plötztlich unterbrochen wird durch einen Trommelwirbel, schmetternde Fanfaren, brausenden Donnerhall, und mit heißem Herzen hören wir eine Sondermeldung."

Ab Juni 1940 nur ein Einheitsprogramm aus Berlin

Damit diese Sondermeldungen noch besser an den Hörer kämen und derselbe durch allerlei Programmvielfalt nicht vom Wesentlichen abgelenkt werde, wurde vom 9. Juni 1940 an ein Einheitsprogramm gesendet. „Heute sprechen die Taten unserer Wehrmacht, und sie stellen alle menschliche Voraussicht in den Schatten. Auch der Rundfunk muß bestrebt sein, sich dieser Taten würdig zu erweisen, sich ganz in den Dienst unseres Kampfes zu stellen und seine Schlagkraft auf ein einziges Ziel zu richten: gegenwärtig zu sein, wenn der Augenblick es von ihm fordert. Aus diesem Grunde vereinigen wir von jetzt ab die schöpferische Arbeit der Gemeinschaft aller deutschen Sender, von denen jeder teilhat an der großen Aufgabe, eine große und großzügige Leistung zu schaffen, uns Hörern ein Programm zu geben, das alle Möglichkeiten in sich schließt, ohne sich in Kleines und Kleinliches zu verlieren." (Ankündigung des Einheitsprograms des Großdeutschen Rundfunks)

Jeder sollte seinen Volksempfänger haben

Und um all dies zu ermöglichen, war auch weiterhin die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Rundfunkgeräten erwünscht.

1939 stellte die deutsche Rundfunkwirtschaft fast drei Millionen Geräte her, davon über 1,7 Millionen Markengräte; 1940 waren es noch 1,3 Millionen Geräte, aber jetzt schon jeweils die Hälfte Volksempfänger und Markengeräte, 1941 wurden insgesamt gerade noch 854 000 Radios hergestellt, über die Hälfte waren Völksempfänger. In den nächsten beiden Jahren stieg der Anteil der Markengeräte zwar wieder, aber bis 1943 sank die Zahl der insgesamt produzierten Radiogeräte auf 723 000, weniger als ein Viertel der Produktion von 1939.
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Umstieg auf Kriegsproduktion auch bei SABA

Das bedeutet nicht, daß die Rundfunkwirtschaft nichts zu tun hatte, sie ist ein typisches Beispiel für Umstrukturierung auf Rüstungsproduktion. Für die meisten Hersteller - auch für SABA - beginnt die Umstellung 1940. Schon 1939 war im Auftrag der Wehrmacht der Betrieb in Villingen erweitert worden, die Rüstungsproduktion machte in diesem Jahr allerdings erst 7% der Gesamtproduktion aus.
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Ab 1940 fast 88% Wehrmachtstechnik bei SABA

1940 stieg dieser Anteil auf 88 Prozent, und schon 1941 produzierte SABA fast ausschließlich für die Wehrmacht: Funkgeräte, UKW-Empfänger und -Sender für Panzer, Feldtelefone, Kopfhörer, Bordsprechanlagen, Suchgeräte, Verstärker, auch technische Ausrüstungsteile für U-Boote, vor allem aber Einzelteile wie Kondensatoren.

Und SABA lebte nicht schlecht von der Kriegsproduktion. Zwar sank der Gesamtumsatz wegen der Einbußen im Radiogeschäft zunächst, aber 1943 war er schon wieder auf 21 Millionen Reichsmark gestiegen, davon 332 000 für Rundfunkproduktion, die nicht ganz eingestellt wurde, und auch 1944 lag der Umsatz mit über 19 Millionen Reichsmark noch über dem Vorkriegsergebnis.

Kein Arbeitskräftemangel für „kriegswichtige" Industrien

Auch unter Arbeitskräftemangel mußte die „kriegswichtige" Industrie nicht leiden. Zwischen Mai 1939 und Mai 1941 stieg die Zahl der deutschen Soldaten zwar von 1,4 auf 7,2 Millionen. Aber dieser Abzug von Arbeitskräften verringerte die Beschäftigtenzahl des Reiches nur um 10 Prozent auf rund 36,2 Millionen. Das lag unter anderem am Einsatz von Ausländern und Kriegsgefangenen. 1941 gab es drei Millionen dieser Zwangsarbeiter, 1944 schon 7,1 Millionen. Im August 1944 war fast jeder dritte Arbeitsplatz in Deutschland von einem Ausländer - Männer, Frauen, Kinder - besetzt, und zwar nicht nur im berüchtigten „Hermann- Göring-Werk" (dem späteren Bundesunternehmen Salzgitter AG), auf dessen Firmengelände die SS ein KZ für Zwangsarbeiter betrieb.

Auch SABA - Nutznießer der Zwangsarbeit

Nicht nur die großen Rüstungskonzerne oder -Zulieferer wie Daimler, Siemens, Rheinmetall, AEG, IG Farben, Ford, BMW profitierten von der völkerrechtlich als „Sklavenarbeit" einzustufende Ausbeutung der meist gewaltsam aus besetzten Gebieten abtransportierten Ausländer, zu denen noch rund zwei Millionen Kriegsgefangene kamen. Nahezu alle Branchen der deutschen Wirtschaft - von der Munitionsfabrik bis zu Landwirtschaft - waren Nutznießer der Zwangsarbeit, auch die Rundfunkindustrie, auch SABA.
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1945 waren schätzungsweise zehn Millionen ausländische Zwangsarbeiter im Reich. Über ihre Anerkennung als NS-Opfer wird bis heute (das wäre 1990) gestritten, Entschädigung haben die wenigsten erhalten. Einige große Firmen wie Daimler-Benz, Siemens und Flick haben Millionen-Summen gezahlt. Aber entweder an jüdische Organisationen - nichtjüdische NS-Opfer sind bis heute nicht entschädigt worden - oder ganz allgemein an soziale Institutionen. Eine individuelle Entschädigung dieser Opfer gibt es nicht, die meisten Nutznießer der Zwangsarbeit kümmern sich um diesen Teil ihrer Geschichte lieber gar nicht.
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Wir leiten aber wieder an diese Stelle zurück !!

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Wir sind wieder zurück von unserem Abstecher:
Peter Zudeick gibt uns einen Rückblick und Einblick in die ersten Jahre nach dem Zusammenbruch 1945

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Wie man ein Wirtschaftswunder plant ....

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Bestandsaufnahme und Rückblick auf einen "Verrückten"

Am Ende des Krieges war nahezu das gesamte deutsche Verkehrssystem lahmglegt, mindestens ein Viertel aller Wohnungen zerstört - in Großstädten fast zwei Drittel -, Industrieanlagen zerbombt, die Wirtschaft insgesamt ruiniert. 1936 betrug die Staatsverschuldung noch 21 Milliarden Reichsmark, im Jahr vor dem Krieg 31 Milliarden, im Frühjahr 1945 annähernd 377 Milliarden Reichsmark. Was der Krieg und die Kriegswirtschaft nicht ruiniert hatten, sollte nach den Plänen Hitlers in den letzten Tagen des Krieges von den Deutschen selbst noch zerstört werden. Schon im Sommer 1944 hatte er eine Politik der „verbrannten Erde" angedroht, falls es den deutschen Truppen nicht gelingen sollte, den Vormarsch der Alliierten zu stoppen.

Am 19. März 1945 ordnete Hitler schließlich an, nicht nur alle militärischen Nachrichten- und Verkehrs-Anlagen auf dem Rückzug zu vernichten, sondern auch sämtliche Industrieanlagen und Versorgungseinrichtungen und darüberhinaus alle Vorräte. Hitlers Rüstungsminister Speer allerdings sorgte dafür, daß dieser Befehl nicht umgesetzt wurde.

Laut Konferenz in Jalta - Deutschland wird ein Bauernland

Was auf diese Weise vor der völligen Zerstörung gerettet wurde, sollte allerdings nach dem Willen der alliierten Siegermächte nach der Kapitulation Deutschlands gründlich dem Erdboden gleich gemacht werden. Schon im Februar 1945 hatten sie auf der Konferenz in Jalta die Aufteilung Deutschlands und Berlins in vier Besatzungszonen beschlossen, im Sommer 1945 präzisierte die Potsamer Konferenz diese Vostellung: Deutschland als politische Einheit sollte ausgelöscht werden, ein Viertel des ehemaligen Reichsgebiets im Osten wurde unter polnische bzw. sowjetische Verwaltung gestellt. Hauptziel der Wirtschaftspolitik der Alliierten war die Entindustrialisierung und wirtschaftliche Entflechtung, daneben die Entmilitarisierung. Deutschland sollte auf unabsehbare Zeit nicht mehr in der Lage sein, eine einheitliche, zentrale wirtschaftliche und staatliche Macht aufzubauen.

Die Vorstellungen des damaligen US-Finanzministers Morgenthau verfolgten diese Ziele am radikalsten. Morgenthau wollte Deutschland zu einem Land „des Ackerbaus und der Weidewirtschaft" zurückentwickeln. Die Umstellung auf Landwirtschaft, so Morgenthau, würde einen positiven Einfluß auf den brutalen Charakter der Deutschen haben. Die bodenständige Produktionsweise, das Leben aus der Scholle könnte sie zähmen.

hier fehlt etwas -  ca. 25 Seiten

Darum weiter bei HBS persönlichen Erlebnissen, Erfahrungen und Einschätzungen nach 1945
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