Sie sind hier : Startseite →  Die SABA Story→  (7) Langsam ging es vorwärts

Hermann Brunner-Schwer erzählt in der "Ich"-Form:

Und er erzählt natürlich die historischen Gegebenheiten aus seiner (SABA-) Sicht und mit seinem Wissen. In die einzelnen Geschichten werden jetzt eine Menge zusätzlicher Informationen aus anderen großen Werken glaubwürdiger Autoren eingebaut.

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1949 - Eine leichte Normalisierung trat ein

SABA produzierte inzwischen nur noch Rundfunkgeräte. Um das noch immer geltende Produktionsverbot kümmerte sich kein Mensch mehr. Die Nachfrage nach SABA-Geräten war groß. Die Marke hatte trotz der fast zehnjährigen Zwangspause nichts von ihrem guten Ruf verloren. Aber leider konnte die Fertigung nur allmählich gesteigert werden: Die Instandsetzung der zerstörten Gebäude nahm viel Zeit in Anspruch, und das französische Militär konnte nicht dazu bewegt werden, das für seinen Garagenbetrieb beschlagnahmte Fabrikareal freizugeben. So behalf man sich eben mit alten Militärbaracken und einer ganzen Reihe sonstiger Provisorien, die einem rationellen Fertigungsfluß nicht gerade zuträglich waren. Auch der Ersatz des verlorengegangenen Maschinenparks war schwierig. In dieser ersten Phase des beginnenden industriellen Wiederaufstiegs waren Investitionsgüter Mangelware.

Wir konnten Radios "verteilen"

Das Vertriebsnetz hingegen konnte schnell wieder geknüpft werden. Die meisten der früheren Generalvertreter warteten schon lange auf die neuen SABA-Geräte. Groß- und Einzelhandel rissen ihnen die angelieferten Apparate förmlich aus den Händen. Viele von ihnen zahlten per Vorkasse und erleichterten damit SABAs Finanzierungsprobleme beträchtlich.

1949 gingen auch die Entnazifizierungsverfahren zu Ende. Meine Mutter, mein Stiefvater und alle betroffenen Firmenmitglieder wurden entweder entlastet oder kamen mit glimpflichen Urteilen davon.

Dr. Goebel wandelte SABA in eine GmbH um

Zum damaligen Zeitpunkt war SABA noch immer eine unter der Obhut des Testament- vollstreckers stehende Einzelfirma. Das bedeutete, daß der Nachlaß für alle Verbindlichkeiten des Unternehmens in voller Höhe haftete. Dem Testamentsvollstrecker erschien dieses Risiko als zu groß. Er wandelte die Rechtsform der Firma um. SABA wurde eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Zu Gesellschaftern bestimmte er meine Mutter, meinen Bruder und mich zu je gleichen Teilen. Diese Entscheidung entsprach zwar nicht dem Wortlaut des Testaments meiner Großmutter. Doch der Zwang der veränderten Verhältnisse ließ ihm wohl keine andere Wahl.

  • Anmerkung : Abweichend von dem Testament der Großmutter, in dem die eigene und einzige Tochter überhaupt nicht bedacht war, entschied Dr. Goebel, daß es absolut sinnvoll sei, einem späteren Konfikt oder Kampf der beiden Brüder gegeneinander (mit je 50% Anteilen), die er jetzt ja viel besser einschätzen konnte, um jeden Preis vorzubauen. Auch hatte er die Verdienste der Mutter nach dem Krieg in einem ganz anderen Licht gesehen als die Großmutter, die bereits 1943 starb. Ich vermute, daß er darum der Mutter die Aufgabe der Schlichtung von möglichen und absehbaren Konflikten - auch auf juristischer Grundlage - übertrug.


Nach den Weisungen der Erblasserin - unserer Oma - hätte ihr gesamter Nachlaß meinem Bruder und mir zufallen sollen, und zwar dann, wenn ich als der Jüngere das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben sollte. Um trotzdem dem Sinn dieser letztwilligen Verfügung zu genügen, kam es zu einem Erbabkommen, wonach meine Mutter meinem Bruder und mir ihre SABA-Anteile zu vererben hatte.

Ernst Scherb wurde SABA-Geschäftsführer

Die nicht mehr benötigte SABA-Vertriebsgesellschaft wurde in die neue SABA-GmbH eingebracht. Ihre als Strohmänner fungierenden Gesellschafter wurden in Ehren entlassen. Auf Drängen meiner Mutter ernannte man ihren Mann zum SABA-Geschäftsführer. Für diesen Wunsch hatte sie ein verständliches Motiv. Ein Fall Fricker sollte sich nicht mehr wiederholen.

Ihr Mann, Ernst Scherb, hatte ihr uneingeschränktes Vertrauen. Meine Mutter sah in ihm eine aufrechte, loyale und zu keiner Bösartigkeit fähige Persönlichkeit. Diese Eigenschaften wertete sie höher als seine mangelnde Ausbildung und gar eine unternehmerische Erfahrung, die für das Übernehmen einer so großen Verantwortung unbedingt nötig gewesen wären.

In der Branche tauchten völlig neue Namen auf

Nach der Währungsreform erlebte die deutsche Rundfunkindustrie eine schnelle Auferstehung. Nahezu alle vor dem Krieg bekannten Marken drängten wieder auf den Markt. Dazu kamen neue Namen wie Grundig, Kuba-Imperial, Tonfunk und viele andere.

Radio-Fabrikanten, deren Fabriken in der Ostzone enteignet und in „Volkseigene Betriebe" umgewandelt worden waren, begannen in Westdeutschland von Neuem. Ich denke da nur an Martin Mende oder Erich Graetz, beides Unternehmer, die vor dem Nichts standen und denen es dennoch gelang, sich mit Erfolg wieder in den Wettbewerb einzureihen.

Der Rundfunk wurde ebenfalls völlig neu strukturiert

Doch es gab ein großes technisches Problem. Nach dem Zusammenbruch legte der Alliierte Kontrollrat das Funknachrichtennetz der Deutschen Reichspost zunächst einmal still und übertrug den Besatzungsmächten die Funkhoheit. Dann fing man an zu überlegen, wie das Rundfunkwesen im Nachkriegsdeutschland neu geordnet und gestaltet werden könnte.

Nie wieder durfte der Rundfunk eine Gleichschaltung erfahren, so wie es im Dritten Reich geschehen war. Nie wieder sollte dieses Medium zum Werkzeug einer wie auch immer gearteten deutschen Staatsmacht werden. Die Westmächte einigten sich schließlich, den Rundfunk dem förderativen Staatssystem anzupassen, das der Gründung der Bundesrepublik Deutschland zugrunde lag.

Landesrundfunkanstalten wurde eingerichtet

So erhielten die Länder die Funkhoheit übertragen. Die einzelnen Landtage erließen entsprechende (von den alliierten Behörden abgesegnete) Gesetze und gründeten Landesrundfunkanstalten, die alle noch übriggebliebenen Sendeanlagen der ehemaligen Reichspost übernahmen.

Der jeweiligen Anstalt stand ein Intendant vor, der aber nicht selbstherrlich herrschen konnte. Dafür sorgten zwei Kontrollorgane, der Rundfunkrat und ein Verwaltungsrat. Diese Gremien setzten sich aus Vertretern der Allgemeinheit und aus Mitgliedern der Landtage zusammen. Ihre Aufgabe war darüber zu wachen, daß die politische Ausgewogenheit der ausgestrahlten Sendungen gewahrt und die öffentlich-rechtliche Form der selbstverwalteten Rundfunkanstalten unangetastet blieb.

Bislang gab es nur KW, MW und LW Frequenzen

Den deutschen Sendern standen zu wenig Frequenzen zur Verfügung. Die leistungsstärksten, auf Mittel- und Langwelle arbeitenden Sendeanlagen hatten die Aliierten für ihre Militärprogramme reserviert. Da gab es und gibt es noch immer AFN American Forces network) und BFBS (British Forces Broadcast System), das Sendenetz für die amerikanischen und britischen Streitkräfte in Deutschland.

Dazu kamen (Anmerkung : "neue") nach Osten gerichtete alliierte Propagandasender, „Voice of America", „Radio Free Europe" oder „Radio Liberation", wichtige Waffen im ideologischen Kampf des „Kalten Krieges". Die kommunistischen Länder hielten dagegen und versuchten, die westliche Agitation durch den Einsatz starker Störsender zu unterbinden.

Ein außer Kontrolle geratener Wellensalat

Der europäische Wellensalat geriet schließlich völlig außer Kontrolle, weil sich keine Regierung mehr um die völkerrechtlich auferlegte Haftung für den Mißbrauch des Rundfunks auf ihrem Staatsgebiet kümmerte. Radiohören wurde zur Qual. Kaum noch ein Sender, der ungestört empfangen werden konnte. Der eine überlagerte den anderen, im Aether herrschte das Chaos. So kam es 1948 endlich zu einer internationalen Konferenz, die sich über eine Neuordnung der europäischen Rundfunkfrequenzen und deren Verteilung auf die europäischen Staaten einigte. Da diese Verhandlungen in Kopenhagen stattfanden, sprach man vom Kopenhagener Wellenplan.

Abgehängt - "Wir" - die Deutschen - durften nicht mitreden

Eine die deutschen Rundfunkinteressen vertretende Delegation konnte sich schon deshalb nicht in Kopenhagen zu Wort melden, weil es sie nicht gab. Die Folge war eine geradezu brutale Demontage der deutschen Mittel- und Langwellen. Der deutsche Rundfunk verlor viele seiner besten Frequenzen. Ganze acht Mittelwellen sah der Kopenhagener Wellenplan für das deutsche Sendegebiet vor, fast ein Rückfall in die Anfangsjahre des Rundfunks. Was also tun? Wie und auf welche Weise konnte man sich in Deutschland dem auferlegten Wellendiktat entziehen?

Der Ausweg hieß UKW - und innovatives Deutschland

Die Rundfunktechniker fanden den Ausweg. Er hieß UKW, die Abkürzung für „Ultrakurzwellen". Das sind elektromagnetische Wellen, deren Längen wesentlich kürzer sind als die der Lang-, Mittel- und Kurzwellen, wie sie zum Zeitpunkt der Kopenhagener Konferenz für den Rundfunkempfang ausschließlich verwendet wurden. Die UKW-Technik kam während des Zweiten Weltkriegs zum Einsatz, als die Militärs immer leistungsfähigere Geräte für ihre funk- und nachrichtendienstlichen Belange forderten.

Ultrakurzwellen haben den Vorteil, daß sie sich geradlinig ausbreiten. Sie können gebündelt und reflektiert werden. Gegenüber atmosphärischen Störungen verhalten sie sich weitgehend unempfindlich. Da die Reichweite der Ultrakurzwellen auf Sichtweite beschränkt ist, können viele UKW-Sender auch auf kleinerem Raum betrieben werden, ohne daß sie sich gegenseitig stören.

Der Rest der Welt hatte UKW "verschlafen"

Als 1947 die Weltnachrichtenkonferenz von Atlantic City stattfand, einigten sich die Teilnehmer über die Aufteilung des UKW-Bereiches für die verschiedenen Funkdienste, wobei man dem Hörfunk das Drei-Meter-Band zuteilte. Die internationale Rundfunkwirtschaft nahm zunächst keine Notiz davon. Für eine befriedigende Versorgung der deutschen Rundfunkhörer allerdings gab es keine Alternative zu UKW.

Wilde UKW-Hektik in den Entwicklungs-Labors

Schon kurze Zeit nach Bekanntgabe des Kopenhagener Wellenplans setzten sich Vertreter der Sendeanstalten, der Bundespost und der Industrie zusammen. In vielen Grundsatz- und Arbeitsgesprächen einigten sie sich auf ein gemeinsames Vorgehen mit dem Ziel, schon 1949 den ersten UKW-Sender in Betrieb zu nehmen. In den Entwicklungslabors der Gerätehersteller brach Hektik aus. Jeder versuchte, als erster mit einem UKW-Modell auf den Markt zu kommen.

Wir bei SABA hatten "unseren" Schweizer Eugen Leuthold

Bei SABA machte sich Eugen Leuthold an die Arbeit. Er hatte sich während seines kriegsbedingten Aufenthalts in seiner Schweizer Heimat mit Forschungsaufgaben beschäftigt, zu denen glücklicherweise auch die Anwendung der UKW-Technik für den Rundfunkempfang gehörte.

UKW - eine qualitative Erleuchtung

Als die ersten UKW-Sendungen ausgestrahlt wurden, zeigte sich nicht nur die Fachwelt von der überraschend guten Wiedergabequalität begeistert. Selbst der unmusikalische Laie hörte den Unterschied. Maßgebend für dieses Phänomen war die (nur bei der UKW-Technik anwendbare) Breitband-Frequenzmodulation, mit der das Frequenzband eines Radioapparates bis zu 15 kHz angehoben werden konnte. Im Zug der Weiterentwicklung wurden auch die Lautsprecher so nachhaltig verbessert, daß Tonfülle und Reinheit der Musikprogramme voll zur Geltung kamen. Ein neues Radio-Zeitalter hatte begonnen.

UKW - das war jetzt wieder „made in Germany"

UKW hieß also die Zauberformel, mit der man sich von den Kopenhagener Fesseln befreien konnte. Aus der Not entstand eine Tugend, die der westdeutschen Rundfunkindustrie einen über Jahre dauernden Vorsprung gegenüber ihrer europäischen Konkurrenz verschaffen sollte. Denn die hatte den Beginn einer bahnbrechenden Technologie regelrecht verschlafen. Als sich auch das Ausland schließlich um den UKW-Rundfunk kümmerte und die ersten UKW-Sendungen auszustrahlen begann, machten die UKW-Empfänger „made in Germany" dank ihrer schon ausgereiften Technik das Rennen. Die Exportzahlen der deutschen Firmen stiegen steil nach oben.

Peter Zudeick gibt uns ab hier wieder einen Einblick in die Zeit des Wirtschaftwundes und die UKW Entwicklung

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Das Rundfunkgeschäft blüht trotz diverser "Notlösungen"

Auch für die Rundfunkwirtschaft brachte das „Wirtschaftswunder" einen immensen Aufschwung einerseits und die Wiederherstellung der alten Verhältnisse andererseits. Zwar waren viele Fabriken zerstört, viele weitere wurden demontiert. Aber das hinderte den zügigen Wiederaufbau offenbar wenig. Die Radio-Produktion war anfangs wegen alliierter Vorbehalte verboten, also mußten die Firmen zunächst auf Notlösungen ausweichen. Aus Wehrmachtsbeständen waren zumeist noch Rohstoffe vorhanden, aus denen Gebrauchsgegenstände, Behälter, Spielzeug und dergleichen hergestellt wurden, aber auch Telefone nebst Zubehör, ein aus dem Krieg vertrauter Produktionszweig.

Beispiel SABA

SABA zum Beispiel, deren Werksanlagen zu 75 Prozent demontiert wurden, macht 1946/47 schon wieder 525.000 Reichsmark Umsatz. 1947/48 steigt der Umsatz auf 2,4 Millionen Reichsmark, nachdem Postaufträge dazugekommen waren. In der englischen und amerikanischen Zone war die Rundfunkgeräte-Produktion nicht verboten, so daß 1946 insgesamt 120.000 Geräte produziert wurden, 1947 etwa das Doppelte, 1948 schon wieder über 420.000 Radios - bezogen auf die drei Westzonen.

Ein Blick zurück auf die Vorkriegs- Rundfunkindustrie

Während vor dem Krieg rund 80 Prozent der Rundfunkindustrie in Berlin und in der Ostzone (der späteren DDR) angesiedelt war, kehrte sich das Verhältnis nach dem Krieg völlig um. 1950 hatten 80 Prozent der Rundfunkbetriebe ihren Standort in der Bundesrepublik, nur noch 20 Prozent in Berlin. Die renommierten Betriebe in der Ostzone (der sowjetischen Zone) - Mende in Dresden (größter Radio-Produzent vor dem Krieg), Körting in Leipzig, Graetz in Ostberlin, Sachsenwerk in Niedersedlitz - wurden in „Volkseigene Betriebe" umgewandelt, sie fielen als Konkurrenz für die Rundfunkindustrie der drei Westzonen nicht mehr ins Gewicht und versanken in der Bedeutungslosigkeit.

Der Nachkriegsbedarf an Rundfunkgeräten war enorm.

Das lag an drei Faktoren:
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  1. Zum einen waren die deutschen Haushalte mit Radios deutlich unterversorgt, hatten also einen großen Nachholbedarf. Während im übrigen westlichen Europa bis zu 98 Prozent aller Haushalte mit Radios versorgt waren, hatten im Bundesgebiet Mitte 1948 nur die Hälfte aller Haushalte ein Gerät. Und was an Radios den Krieg überlebt hatte, war häufig nicht mehr voll funktionsfähig.
  2. Zum anderen sorgt der „Kopenhagener Wellenplan" von 1949 für einen spürbaren Auftrieb in der Rundfunkbranche. Dort war die internationale Verteilung der Wellen beschlossen worden, der deutsche Rundfunk kam bei der Zuteilung der Mittelwellen-Frequenzen schlecht weg. Also stellte man sich auf den Ausbau des UKW-Netzes um, was die Produktion von Zusatzgeräten und dann den Einbau von UKW-Teilen begünstigte. Das wirkte sich auch positv auf den Export aus.
  3. Schließlich kurbeln Preissenkungen und die Möglichkeit von Ratengeschäften das Rundfunkgeschäft an - rund 80 Prozent aller Radios werden in den ersten Nachkriegsjahren auf Stottern gekauft. Die Menschen kaufen Radios, als wären es Gegenstände des dringenden täglichen Bedarfs.

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„Der Volkswirt" schreibt

„Hier zeigte sich erneut, wie in der Weltwirtschaftskrise, daß sich die meisten Menschen ein Leben ohne Rundfunk kaum noch vorzustellen vermögen und zum Teil die Anschaffung eines Radios der Befriedigung objektiv vorrangiger lebensnotwendiger Bedürfnisse vorziehen", schreibt „Der Volkswirt".

Fast ein "Jeder" versuchte sich in diesem Markt

Wie in der Gründerzeit der Rundfunkindustrie schossen auch zur Zeit der Währungsreform jede Menge Radio-Betriebe aus dem Boden. Allein in den Westzonen gab es um 1948 zwischen 180 und 200 Radio-Produzenten, meist kleine Bastelstuben. Vor dem Krieg hatten sich 29 Firmen den gesamten Markt im Reichsgebiet geteilt.

Dezember 1948 - Und wie in den 20er Jahren wurde auch jetzt die Produktion über die Aufnahmefähigkeit des Marktes hinaus aufgebläht. Vor der Währungsreform waren Radios nur auf Bezugsschein zu bekommen, der Schwarzmarkt blühte auch in dieser Branche. Nach der Währungsreform aber zeigte es sich, daß mehr produziert worden war, als der Markt aufnehmen konnte. Schon im Dezember 1948 gab es leichte Krisenerscheinungen beim Absatz, aber der Markt regulierte sich schnell wieder. Zu Beginn der 50er Jahre waren noch 35 Firmen am Markt.

Die Produktion von Radios stieg und stieg

1949 wurden schon wieder 1,2 Millionen Radiogeräte produziert, damit ist die Vorkriegsproduktion von Markenempfängern (ohne Volksempfänger) wieder erreicht, 1950 steigt die Produktion auf 2 Millionen.

„Das deutsche Rundfunkgerät hat wieder in jeder Hinsicht Friedensqualität und internationales Niveau erreicht", kann „Der Volkswirt" 1950 stolz verkünden.

Von 1950 auf 1951 stieg die Produktion um über 36 Prozent. Wachstumsraten dieser Größenordnungen - mit Schwankungen zwischen 15 und 30 Prozent - sind in den folgenden Jahren selbstverständlich.

Ende 1950 erreichte die Rundfunkdichte wieder den Höchststand von 1943. Damals hatte jeder fünfte Einwohner im Reichsgebiet ein Radio, 1950 jeder fünfte im Bundesgebiet. Von 1950 bis 1960 wurden insgesamt über 36 Millionen Rundfunkgeräte hergestellt, fast 12 Millionen wurden exportiert. Die Rundfunkindustrie war eine der klassischen Wachstumsbranchen der 50er Jahre.

Um 1960 war der deutsche Radio-Markt nahezu gesättigt.

Über 90 Prozent aller Haushalte hatten ein Radiogerät. Trotzdem blieb das Geschäft gut, denn der Trend ging zum Zweit- und Drittradio. 1952 waren noch über 90 Prozent aller Rundfunkgeräte konventionelle netzgebundene Tischgeräte, 1960 waren es nur noch 49 Prozent. 10 Prozent der Gesamtproduktion waren Phonokombinationen und Musiktruhen, 9 Prozent Autoradios, und fast jedes dritte Gerät war schon ein Kofferradio, Tendenz steigend. Dabei wurde mit dem Auftauchen von Transistorradios auch der Import eine relevante Größe, wenn auch noch keine bedrohliche für den westdeutschen Markt: Rund 400.000 billige Transistor-Radios wurden zwischen 1950 und 1960 importiert, vor allem aus Japan.

1951 - Das Fernsehen in Deutschland kommt ....

1951 - Inzwischen hatte auch das Fernsehen einen erheblichen Anteil - (Anmerkung : Das stimmt so nicht - es war anfänglich nur ein sehr geringer Teil.) - an der Unterhaltungselektronik. Schon im Herbst 1951 waren die ersten Geräte vom Band gelaufen, die eigentliche Produktion lief aber erst 1952/53 an, wenn auch noch zögernd.

1952 wurden in Deutschland gerade mal 4.000 Geräte produziert (Anmerkung : von insgesamt 16 Herstellern !!) , und erst als im Dezember 1952 nach zweijährigem Versuchsbetrieb das „Deutsche Fernsehen" (Anmerkung: aber auch nur in einigen Regionen Deutschlands) regelmäßig sendete, stiegen auch die Produktionszahlen, ohne daß es allerdings zunächst zu einem ausgesprochenen Boom kam. Der setzte erst 1955 ein, als das neue Medium allmählich ein attraktiveres Programm anbot.

Die Zahl der Fernsehzuschauer wächst zusehend

Während 1960 noch annähernd 3,7 Millionen Radiogeräte produziert wurden, gab es auch schon rund 3,4 Millionen Fernsehteilnehmer. Das neue Medium wurde bald zur direkten Konkurrenz (Anmerkung: - Konkurrenz zum Radio und vor allem zum Kino).

1964 waren es schon 8,5 Millionen Fernsehzuschauer. Obwohl also der Boom für Rundfunkgeräte anhielt und der Fernsehmarkt dazukam, geriet die Rundfunkindustrie Anfang der 60er Jahre, spätestens dann in der Rezession 1966/67 in erste Schwierigkeiten.

Gefährlich : Extrem saisonabhängiges Geschäft

Dabei schien sich für die Branche gar nicht so viel geändert zu haben. Nach wie vor war das Geschäft extrem saisonabhängig. Das konnte durch das Geschäft mit Koffer- und Autoradios zwar etwas gemildert, prinzipiell aber nicht überwunden werden. Das Herbstgeschäft entscheidet immer noch über die Absatzaussichten des gesamten Geschäftsjahres.

Vielfach hoher ausgereifter Qualitätsstandard

Zudem bietet sich für Hersteller immer weniger die Möglichkeit, durch technische Neuerungen einen entscheidenden Vorsprung im Saisongeschäft zu erringen.
Zum einen ist der technische Qualitätsstandard verhältnismäßig ausgereift und gleichmäßig, zum anderen brauchen neue Entwicklungen - etwa beim Fernsehen - längere Zeit. Je perfekter die Technik von Rundfunk- und Frensehgeräten wird, um so mehr tritt die technische Perfektion als Verkaufsargument in den Hintergrund.

Die Hersteller brauchen immer wieder „Neuheiten"

Gleichzeitig kann aber kein Hersteller seine Produktpalette unverändert lassen. „Neuheiten" bleiben werbewirksam, also muß man auf geschmackliche Dinge, auf kleinere technische Weiterentwicklungen, auf Design ausweichen. All das macht zwar Schwierigkeiten, begründet aber nicht die Anfälligkeit der Branche für Konjunkturschwankungen.

Wie damals - "Oligopol" - 80% Markt fallen auf 7 Unternehmen

Auch die Konkurrenzsituation ist daran nicht schuld - wenigstens nicht auf den ersten Blick. Zwar waren kurz nach dem Krieg eine Vielzahl von Radioherstellern auf den Markt gekommen, dieser Markt hatte sich nach der Währungsreform aber - wie beschrieben - rasch „normalisiert", das heißt die guten alten Zeiten des "Oligopols" waren wiedergekehrt. In der ersten Hälfte der 50er Jahre machten wieder sieben Großunternehmen über 80 Prozent des Geschäfts unter sich aus.

SABA ist zwar dabei - doch "der Neue" ist besser

SABA war mit 11 Prozent Marktanteil gut dabei, Philips, Loewe-Opta, Telefunken, Graetz und Nordmende mischten in der Spitzengruppe mit, einsamer Spitzenreiter aber war der Branchen-Neuling Grundig: 27 Prozent Marktanteil hatte "der Bastler aus Nürnberg"
(Anmerkung : eine ziemlich dumme und absolut falsche diffamierende Bezeichnung und damit auch eine für viele Wettbewerber tödliche falsche Markteinschätzung) zum Beispiel 1954, und das war eine Entwicklung, die den Konkurrenten doch erhebliche Sorgen machte. Denn Grundig hatte einen (Anmerkung : klugen und erfolgreichen) Marktmechanismus entdeckt, der ihn nach oben brachte: Die Massenproduktion.
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Über Max Grundig (Anmerkung: aber nur teilweise richtig)

Max Grundig war ursprünglich Radiohändler, der in den 30er Jahren mit selbst gewickelten Radio-Transformatoren zum ersten Mal groß ins Geschäft kam und, wie viele andere, während des zweiten Weltkriegs durch Rüstungsaufträge etliche Millionen Reichsmark einfuhr.

Nach der Währungsreform 1948 gehörte Max Grundig zu denen, die mit einem gesunden Unternehmen bereitstanden - zum Start ins Wirtschaftswunder. Sein Trick: Er meldete (bei den amerikanischen Militärbehörden) nicht die Produktion von Radiogeräten an, sondern den Baukasten „Heinzelmann", eine Art Spielzeug für Bastler. Das war (nämlich) nicht verboten, und Ende der 40er Jahre war der „Heinzelmann" schon ein (absolut gigantischer) Verkaufsschlager, als die etablierten Rundfunkhersteller gerade in die Startlöcher gingen. 1952 hatte Max Grundig schon eine Million Radios produziert.

Max Grundigs Prinzip: Große Serien, kleine Preise.

Das bedeutete für seine Konkurrenten, die auf kleine Stückzahlen ausgerichtet waren: Ebenfalls in die Massenproduktion einsteigen mit dem Risiko erheblicher Verluste, damit verbunden der Zwang, die Produktionskosten zu senken, immer stärker zu automatisieren, Produktionskapazitäten besser auszulasten. Das alles brachte Familienunternehmen wie SABA und andere schon früh in Schwierigkeiten.

Rückblick auf die Entwicklung bei SABA

Dabei war das Nachkriegsgeschäft auch für SABA glänzend. 1948 war das Produktionsverbot für Rundfunkgeräte im französischen Sektor aufgehoben worden, 1949 hat SABA den Vorkriegsumsatz (1949: knapp 18 Millionen Reichsmark) mit über 21 Millionen DM schon wieder eingeholt, wie vor dem Krieg sind schon wieder über 1.000 Beschäftigte bei SABA tätig. In den ersten Jahren kann SABA auch die erfolgreiche Vorkriegs-Produktpolitik weiterführen: Die durch den Kopenhagener Wellenplan notwendig gewordene Umstellung auf UKW erfordert technische Entwicklungen, bei denen SABA häufig den Vorreiter spielt.

Die Tonqualität im UKW-Bereich muß verbessert werden, SABA entwickelt die automatische Sendersuche und Feinabstimmung fort. Um dem modischen Geschmack des Publikums zu entsprechen, werden ab dem Baujahr 1953 auch wieder Musiktruhen produziert. Der deutsche Radiohörer will - wie Ende der „Goldenen 20er" - in den „Goldenen 50er" Jahren vor allem ein gediegenes Möbelstück fürs wohnliche Heim kaufen, weniger ein technisches Gerät.

Eine erfolgreiche weise Entscheidung - die Nische

1954 bringt SABA eine Musiktruhe mit einem Automatik-Radioempfänger, vier Lautsprechern, Plattenspieler (wahlweise mit 10-Platten-Wechsler), Tonbandgerät und einer „Spiegelbar" auf den Markt. Das gute Stück kostet knapp 3.000 Mark. (Anmerkung: Der VW Käfer kostet 1955 genau 4.998.- DM.) 1955 wird das Ganze noch mit einem Fernsehempfänger bestückt, die Truhe heißt beziehungsreich „Königin von SABA" und kostet fast 5.000 Mark.

SABA = „Präzision aus dem Schwarzwald"

Mit dieser Produkt- und Preispolitik versucht SABA dem durch Massenproduktion geprägten neuen Konkurrenzkampf zu entgehen. Traditionell setzt SABA auf Qualität und Präzision, der Werbeslogan „Präzision aus dem Schwarzwald" soll durch die Namen der Produktreihe noch verstärkt werden.

1950 - SABA baut die „Heimatserie"

1950 entsteht die „Heimatserie": Die Geräte heißten „Bodensee", „Triberg", „Lindau", „Konstanz" und „Schwarzwald". Um darüberhinaus dem Gesetz der großen Serie zu entgehen, will SABA die hohen Produktionskosten nicht durch höhere Stückzahlen, sondern durch hohe Preise auffangen.

Aufbau des SABA Images

SABA-Geräte sind in den 50ern im Durchschnitt bis zu zehn Prozent teurer als Konkurrenz-Produkte. Dazu kommt die konservative Politik des Familienunternehmens, die auf Erhaltung des Ererbten zielt und das unternehmerische Risiko eher scheut. Dieses Konzept verfängt aber nur bedingt.

Marktentwicklung um 1956

Um 1956 beginnt ein Umsatzrückgang bei Rundfunkgeräten, der zwar für die gesamte Branche typisch ist, von den Konkurrenten aber durch die Aufwärtsentwicklung bei Autoradios, Transistor- und Kofferradios aufgefangen wird. SABA produziert weiter Tischgeräte und Truhen. Nur die starke Aufwärtstendenz bei Fernsehgeräten kann einen spürbaren Rückgang der Gesamtumsätze schon zu dieser Zeit verhindern.

Stereo und die Angst vor den laufenden Bildern

Während die Ingenieure in den Rundfunklabors die Weiterentwicklung des Radios vorantrieben und damit begannen, sich mit den Möglichkeiten der stereofonen Tonwiedergabe zu beschäftigen, nahmen sich andere einer noch interessanteren Technik an: des Fernsehens.

Die elektronische Übertragung von Bildern war schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg Gegenstand vieler Forschungsarbeiten. (Anmerkung : aber nur in ganz wenigen Berliner Firmen - bei Telefunken, Loewe und der Fernseh GmbH.)

Rückblick in die Zeiten des Paul Nipkow

Zunächst versuchte man das Problem auf optisch-mechanischem Weg zu lösen. Dabei griff man auf die von Paul Nipkow (bereits vor der Jahrhundertwende) erfundene Zerlegung von Bildern mittels einer rotierenden Scheibe zurück. Doch die Ergebnisse befriedigten nicht. Erst die in den 20er Jahren erzielten Fortschritte in der Verstärkertechnik eröffneten die Möglichkeit, bewegte Bilder mit Mitteln der Funktechnik auszusenden und zu empfangen. Ähnlich wie beim Film übertrug man eine bestimmte Zahl von Bildern pro Sekunde, wobei jedes dieser Bilder in Zeilen zerlegt, von einem im Sender befindlichen Lichtpunktabtaster gelesen und in elektrische Spannungswerte verwandelt wurde.

Diese, auch als „Bildsignale" bezeichneten Werte werden von einer Trägerwelle über den Sendermast und die Empfangsantenne zum Fernsehgerät transportiert. Dort wird das Bildsignal zurückgewonnen und wieder in all jene Bildelemente verwandelt, die schließlich auf dem Bildschirm der Kathodenstrahlröhre des Fernsehers in der richtigen Reihenfolge zu erscheinen haben.

Fernsehen - es waren nicht nur die Deutschen

Die Erfindung des (hier nur sehr vereinfacht dargestellten) Verfahrens wird oft den Deutschen zugeschrieben. Wahrscheinlich deshalb, weil es tatsächlich die Deutschen waren, die schon 1935 in Berlin den Startschuß zur Ausstrahlung des ersten Fernsehprogramms der Welt gaben. (Anmerkung : Das ist auch historisch umstritten) Die Übertragung der Olympischen Spiele 1936 galt unter Fachleuten als eine Sensation allerersten Ranges. Doch eigentlich „erfunden" wurde das Fernsehen nicht. Es entwickelte sich vielmehr aus den Forschungserfolgen vieler Wissenschaftler, die überall in der Welt dasselbe Ziel vor Augen hatten und die Mosaiksteine zusammensetzten, mit denen sich die Vision von der Tele-Vision verwirklichen ließ.

Natürlich waren Hitler und sein Propagandaminister von dem neuen Medium begeistert gewesen. Sie versprachen sich davon ein Propaganda-Instrument, das dem Rundfunk weit überlegen war. Die Reichspost erhielt deshalb den Auftrag, mit dem Ausbau des Fernseh-Sendernetzes zu beginnen, während die Industrie einen Volksfernseh-Einheitsempfänger mit der Bezeichnung E1 zu entwickeln und unverzüglich herzustellen hatte. Doch "des Führers Fernsehträume" scheiterten am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. (Anmerkung : Es wurde gerade mal 50 Muster-Exemplare von dem E1 Fernsehempfänger hergstellt.)

Deutschland sprang gleich zur richtigen Norm

Nach dem Krieg begannen die USA, England und Frankreich das Fernsehen in ihren Ländern einzuführen, während man sich im kaputten Deutschland mit ganz anderen Sorgen herumschlug. Erst 1948 kam es zu ersten Initiativen in Hamburg beim NWDR. Ein Expertenteam trat zusammen, um die Planung für ein zukünftiges Deutsches Fernsehen in Angriff zu nehmen. Eine wichtige und vor allem richtige Entscheidung fiel mit der Definition der neuen 625-Zeilen-Norm (die Gerber Norm): man legte damit fest, daß das deutsche Fernsehbild aus 625 Zeilen zusammengesetzt sein sollte. Dies im Gegensatz zu den von den Amerikanern bevorzugten 525 Zeilen und den Engländern, die nur 405 Zeilen als ausreichend für ein brauchbares Fernsehbild erachteten.

Warum war die Frage der Anzahl der Zeilen so wichtig?

Natürlich wollte man die Fernsehbilder so klar wie möglich übertragen. Je größer die Zeilenzahl, desto besser die Auflösung und die Schärfe der wiedergegebenen Bilder. Doch: mit zunehmender Zeilenzahl wächst auch der technische Aufwand. Wirtschaftliche Aspekte standen dem entgegen. Die Empfänger sollten ja einer breiten Käuferschicht zugänglich gemacht werden. Sie durften also nicht zu teuer sein. Die Franzosen trieben das Spiel auf die Spitze und arbeiteten mit 819 Zeilen. Sie produzierten zwar brillante Bilder, ihre Fernsehgeräte kosteten den Käufer aber ein kleines Vermögen.

Der Zeilenwirrwar bescherte den europäischen Fabrikanten große Probleme. Der Export von Fernsehapparaten kam gar nicht erst zustande. Versuche, Mehr-Normengeräte zu produzieren, scheiterten an zu kleinen Stückzahlen und einem zu hohen Preis. Erst als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft Konturen annahm, begannen die nationalen Fernseh-Barrikaden zu fallen. Die deutsche 625-Zeilen-Norm wurde als bester Kompromiss zwischen Aufwand und Leistung von den anderen Ländern übernommen.

SABA und das neue Fernsehen um 1951
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