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Peter Zudeick gibt uns einen Rückblick und Einblick auf den Zeitgeist von 1835 bis in die 30er Jahre

Peter Zudeick verknüpft die allgemeinen politischen Umstände und Gegebenheiten mit den zeitgleichen Wirtschaftsinformationen der (Rundfunk-) Industrie.

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Hermann Schwer - mit Radios aufs richtige Pferd gesetzt

Die beginnende Rundfunkindustrie profitierte in den 20er Jahren von allen wirtschaftlichen Aufschwungtendenzen, ohne von Einbrüchen und Krisen ernsthaft berührt zu werden - Hermann Schwer hatte also aufs richtige Pferd gesetzt. Anfangs wirkten sich die Folgen von Krieg und Inflation zwar auch auf die neue Branche aus; die Empfangsgeräte mußten vor allem billig sein. Das waren die Detektorempfänger, die anfangs von den Rundfunkherstellern überwiegend angeboten wurden.

Wie sahen die aus? „Empörend einfach", schreibt ein Zeitgenosse in der Zeitschrift „Der Deutsche Rundfunk" im Januar 1924. „Ein halbes Meter langes, viereckiges Holzskelett mit ein paar Drähten umwickelt. Das ist die Antenne. Dann ein Blechkasten, so groß wie eine Zigarettendose. Er verstärkt die durch die Luft geleiteten, unendlich schwachen Wellen. Und die Hörer. Nichts mehr." Diese Detektorenempfänger konnten die Sendungen nur über Kopfhörer empfangen.

150 hundertfünfzig Goldmark für ein "Radio"

Diese Geräte sind zwar nicht unerschwinglich („Von hundertfünfzig Goldmark aufwärts", sagt der Zeitgenosse), aber wohl für die Masse der Bevölkerung immer noch zu teuer. Trotzdem war die Nachfrage groß. Einmal wegen der wachsenden Rundfunkbegeisterung, dann aber auch aufgrund des Konjunkturaufschwungs nach der Stabilisierung der Währung. Dieser Aufschwung fiel mit der Einführung des Rundfunks in Deutschland zusammen und führte zu einer überproportionalen Nachfrage nach Rundfunkgeräten.

Ein Gründungsansturm bei den Geräteherstellern

In der Gründungsphase der Rundfunkindustrie vom Herbst 1923 bis zum Frühjahr 1924 schossen die Gerätehersteller wie Pilze aus dem Boden. Anfangs hatten 17 Firmen beim Reichspostiministerium um die Genehmigung zur Herstellung von Rundfunkgeräten nachgesucht, im März 1924 tummelten sich annähernd 150 Firmen auf dem neuen Markt, die „Industrie- und Handelszeitung" schätzt sogar rund 200. „Ohne die erforderliche Kenntnis der technischen und wirtschaftlichen Produktionsbedingungen werden in spekulativer Weise große Serien von Apparaturen aufgelegt, die auf dem Wege einer großzügigen Reklame einen Markt finden sollen", schreibt der „Funkalmanach" 1928 in einer Analyse der Aufbruchzeit. „Gefangengenommen von dem Taumel der Inflationszahlen, glaubt man, durch Massenerzeugung hier die Gelegenheit zu schnellerem und mühelosem Verdienst zu finden."

Vom Wachstum bei den Radio-Hörern entäuscht

Aber trotz der Rundfunkbegeisterung schnellten die Teilnehmerzahlen nicht eben sensationell in die Höhe. 1.580 registrierte Rundfunkteilnehmer am 1. Januar 1924, zwei Monate später 7.342 Teilnehmer - das war für die Erwartungen vieler Produzenten ein viel zu langsames Wachstum. Bedarf und Absatzmöglichkeiten waren von vielen überschätzt worden. Im Laufe des Jahres 1924 brachen viele dieser Frimen zusammen, vor allem diejenigen, die sich auf Massenfabrikation eingestellt hatten. „Bis zum Jahre 1926 verminderte sich die Zahl der Hersteller vom Empfangsapparaten auf ungefähr 40", schreibt der „Funkalmanach".

Eigenbau von Radios war ab 1924 erlaubt

Zu dem Massensterben der Hersteller hatte auch die Freigabe des Eigenbaus von Radiogeräten im Frühjahr 1924 beigetragen. Die Firmen, die sich von vornherein auf Einzelteile wie Kopfhörer, Kondensatoren, Detektorkristalle und Zubehör verlegt hatten - wie auch SABA -, konnten von der ungünstigen Entwicklung nicht so sehr getroffen werden, profitierten dann aber erheblich von der Radiobastler-Bewegung, die im Laufe des Jahres 1924 einsetzte. Vor allem Arbeiter und kleine Angestellte gehörten zu den Radiobastlern, zahlreiche Bastelvereine wurden gegründet, darunter der Arbeiter-Radio-Bund, der seine Mitglieder in Bau und Bedienung von Radiogeräten ausbildete. Schon bald gab es einen Verband der Rundfunkteilnehmer, deren Zahl nun rapide wuchs. Das lag auch daran, daß nach der Einführung der Rentenmark die Anmeldegebühren von Milliardenbeträgen auf eine erschwingliche Größe reduziert wurde. Vom 1. April 1924 an betrug die monatliche Gebühr nur noch zwei Reichsmark.

Es gab ja nur einen Berliner Regionalsender

Ende 1924 gab es über eine halbe Million registrierte Rundfunkteilnehmer.
Inzwischen war auch das Angebot attraktiver geworden, zumindest was die Sendequalität betraf. Die erste Rundfunkanstalt, die „Radio-Stunde AG" (später in „Funk-Stunde AG" umbenannt), war zwar eine landesweite Einrichtung. Ihre Betreiber waren Ableger von Reichspost und Reichsinnenministerium, ihr Finanzier der Vox-Konzern. Doch aufgrund der mangelnden Qualität der Sendeanlagen war die „Radio-Stunde" kaum mehr als ein Berliner Regionalsender.

1924 bereits 9 Rundfunk-Sender

Im Laufe des Jahres 1924 kamen acht weitere Regionalsender dazu, Ende 1925 gab es schon insgesamt 13 Radiosender. Und bereits 1924 gab es die erste Funkausstellung in Berlin, die über 180 000 Besucher anzog.
Der „Funkalmanach" schreibt 1925: „Die Rückwirkung der Ausstellung mit allen ihren Veranstaltungen kann statistisch in der sprunghaft angewachsenen Zahl der Rundfunkteilnehmer in den ersten Monaten nach der Ausstellung nachgewiesen werden. Während der Sendebezirk Berlin im November 1924 ungefähr 186.000 Rundfunkteilnehmer zählte, wuchs diese Zahl bereits im Februar 1925 auf 292.000 an." Ende 1925 waren insgesamt eine Million Rundfunkgenehmigungen vergeben worden.

Die ersten Röhrengeräte kommen

Allmählich stieg die Nachfrage nach fertigen Geräten, der Gerätebau wurde standardisiert, das Röhrengerät verdrängte den Detektorapparat, der Lautsprecher den Kopfhörer. Und mit dieser Entwicklung änderte sich auch das Verhalten der Radiohörer. Das Interesse verlagerte sich von der Technik zum Programm, der Radiohörer löste den Radiobastler ab.

Über das neue Erlebnis "Zuhause"

Das hatte für das damalige Bewußtsein auch ungeahnte soziale Folgen. So meinte das „Rundfunk-Jahrbuch" 1929 über den Rundfunk: „Nicht nur Mann und Kinder, Freunde und Verwandte werden durch ihn ans Haus gefesselt, er gibt ihnen alle Möglichkeiten, gemeinsam ein künstlerisches, geistiges oder auch zerstreuendes, unterhaltendes Erlebnis aufzunehmen und dadurch wieder etwas von der stillen, bindenden, Ruhe und Sammlung schaffenden Kraft der Familiengemeinschaft auszustrahlen." Vor allem der Frau und Mutter, „der häuslichen Fürsorgerin für Leib und Seele ihrer Angehörigen", erwächst somit im Rundfunk ein unersetzlicher Helfer. „Hauskultur, die wärmend den Sohn und die Tochter, den Mann und die Freunde umhegte, durch die Nöte der Zeit und die Skepsis des heutigen Menschen aber gefährdet ist, kann wieder im Bunde zwischen Hausfrau und Rundfunk neu entstehen."

Die magische Diktatur des "Zuhausebleibens"

Und offenbar erfült das Radio der 20er Jahre nicht nur Sehnsüchte des deutschen Spießers, sondern hat auch volkspädagogisch und volkswirtschaftlich wichtige Funktionen: Die Familie spart Geld. „Es gibt nicht mehr die Frage: Was fangen wir mit dem Abend an? Die Verführung auszugehen, wird blasser. Die Toilettensorgen für den abendlichen Ausgang fallen auch fort. Gar nicht zu reden von den finanziellen Wohltaten eines nicht verbummelten Abends.

Nicht nur die Moralisten sollten dem Radio für die von ihm bewirkte Renaissance des Familienlebens Fackelzüge bringen, sondern auch die Sparkassendirektoren. Übte nicht jeden Abend die Anwesenheit eines Empfängers im Hause eine magische Diktatur des Zuhausebleibens auf Millionen Deutsche aus, hätten wir noch lange nicht das erfreuliche Wiederanwachsen der deutschen Sparkassenguthaben. Das Wunder der Wellen schenkten die Götter uns Dawesmärtyrern zur rechten Zeit: das Geld, was wir in der Zeit, da wir am Hörer sitzen, nicht ausgeben können, kann uns jetzt der Staat abnehmen." (Funkalmanach 1925).

Das Radio-Geschäft war saisonabhängig

Die Hausgebundenheit des Radiohörens brachte aber von Anfang an auch ein Problem mit sich: Der Verkauf von Radiogeräten war saisonabhängig. „Der Rundfunk ist durch seine kulturelle und unterhaltende Tätigkeit in erster Linie an die Winterzeit gebunden. Die Sommerzeit bedingt notwendigerweise ein Nachlassen des Hörerzustroms." (Rundfunk-Jahrbuch 1930) Zwar waren in den Anfangsjahren die meisten Rundfunkgeräte batteriebetrieben, aber viel zu unhandlich, um mit ins Grüne genommen zu werden. Und transportable „Koffer-Radioanlagen", die ab 1928 auf den Markt kamen, waren für das Durchschnittspublikum unerschwinglich und fürs Picknick denn doch zu schwer. Rund 15 Kilo wog ein solches Gerät - das Wort „Koffer" war damals noch wörtlich zu nehmen.

Der Trend vom Radio zum Möbelstück

Ohnehin war Radiohören unterwegs - bei einem Picknick oder einer Landpartie - für die meisten damals offenbar eine recht abwegige Vorstellung. Der Trend ging nämlich genau in die andere Richtung: Vom Batterie-Gerät, das tendenziell ortsunabhängig ist, zum netzabhängigen Tischgerät, zum Möbelstück. 1928 waren noch über 90% der Rundfukgeräte batteriebetrieben, 1930 waren 92 % der Geräte netzabhängig.

Daß Radiohören zu Hause die Regel war und das Geschäft somit ein Wintergeschäft sein mußte, wurde als selbstverständlich hingenommen. „Der Winter fesselt den Menschen an das Haus und zwingt ihn, die langen Winterabende in irgendeiner Weise auszufüllen", heißt es in einer der ersten systematischen Arbeiten über die Rundfunkwirtschaft (1938). Dazu kam, daß Radios als Weihnachtsgeschenk immer beliebter wurden und auch die Empfangsbedingungen im Winter besser waren.

Das Radio - Mit Gewinn durch alle Krisen

Eine Rundfunkindustrie gab es in Deutschland schon vor dem offiziellen Beginn des öffentlichen Rundfunks. Vor allem drei Firmen hatten sich schon seit der Jahrhundertwende im Bereich drahtlose Telegraphie beschäftigt:

  1. Die „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH", eine Tochterfirma von AEG und Siemens & Halske, die seit 1923 „Telefunken" hieß;
  2. die „C. Lorenz AG für Signalbau, Telegraphie und Telephonie" und
  3. die „Erich F. Huth GmbH".

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„Telefunken" hatte das wichtigste Patent - die Röhre

Diese Pioniere übernahmen denn auch 1923 die Marktführung, besonders „Telefunken" spielte von Anfang an eine entscheidende Rolle. Das Unternehmen war im Besitz der wichtigsten deutschen Patente für die drahtlose Telegraphie und nahezu aller deutschen Schutzrechte für ausländische Patente. Eine der wenigen Ausnahmen: Ein dänisches Patent für Lichtbogensender wurde von Telefunken offenbar unterschätzt, und so sicherte sich die C. Lorenz AG die deutschen Schutzrechte.

Dieses Patentmonopol führte dazu, daß kein neuer Rundfunkhersteller ohne die Erlaubnis von Telefunken komplette Radios bauen durfte. Viele Firmen, vor allem kleine und mittlere Bastelwerkstätten, produzierten aber ohne eine solche Genehmigung, so daß Telefunken sie verklagte.

1923 - Neu : Der "Verband der Radio-Industrie" - ein Kartell

Der 1923 gegründete Verband der Radio-Industrie (seit 1924 Verband der Funkindustrie; das englische Wort „Radio" wurde im Zuge allseitiger Deutschtümelei bei Sender-, Verbands- und Firmennamen durchweg durch „Funk" ersetzt) hatte die Aufgabe, für ihre Mitglieder (Anmerkung : gemeinschaftliche) Lizenzverträge mit den Patentinhabern abzuschließen und Patentklagen abzuwehren. Die Mitgliedschaft in diesem Verband war daher sehr begehrt. Kaum ein Unternehmen konnte es sich leisten, gegen den Riesen Telefunken zu bestehen, und auch Telefunken selbst fand nach und nach Gefallen daran, mit einem Verband zu verhandeln als mit vielen kleinen Produzenten. Nur in Ausnahmefällen schlossen Telefunken oder die anderen Patentinhaber noch Lizenzverträge mit Einzelfirmen ab.

500 wollten Mitglied im Kartell werden

1924 zählte der Verband 22 Mitglieder, 1925 schon 75; allerdings hatten in diesem Jahr 500 Firmen die Mitgliedschaft beantragt. 1926 waren nur noch 49 Mitglieder im Verband, obwohl wiederum 450 aufgenommen werden wollten, 1930 war die Mitgliederzahl auf 33 zurückgegangen. Der Konzentrationsprozeß in der Rundfunkindustrie, der spätestens 1926 einsetzt, ist nicht zuletzt durch die restriktive Mitgliedspolitik des Verbands der Funkindustrie ermöglicht worden.

Ein Oligopol für wenige

Die Rundfunkproduzenten wollten nach der Scheinkonjunktur der Gründungsphase in einem exklusiven Klub unter sich bleiben. Das Teilmonopol der „Großen Drei" war nicht aufrechtzuerhalten, also sollte es wenigstens ein gepflegtes Oligopol sein, in dem ein halbes Dutzend, höchstens aber acht bis zehn Anbieter den Löwenanteil des Marktes unter sich ausmachen.

Telefunken war Marktführer - damals jedenfalls

1926 hatte Marktführer Telefunken über 25% Umsatzanteil, der Rest verteilte sich ziemlich gleichmäßig auf mehrere Konkurrenten. 1928 verfügten Telefunken (36,6%), Heliowatt (10,8%), Lorenz (8,1%) und Mende (4,1%) über mehr als 70% des Marktes, ein Übergewicht der Marktführer, das sich in den Folgejahren - mit Verschiebungen innerhalb der Spitzengruppe - immer mehr konsolidierte.

SABA holt auf - wie später auch GRUNDIG

Der Rundfunkneuling SABA hatte 1926 rund 0,4 Prozent Marktanteil, den er bis 1934 auf über 12 Prozent steigern konnte. Damit gehörte SABA zu den Großen der Branche.

Auf dem Weg dahin hatte Hermann Schwer einige Entscheidungen getroffen, um seine Firma von der allgemein krisenempfindlichen Wirtschaftslage nicht allzu abhängig zu machen. Zunächst stellte er 1923 den Betrieb nicht vollständig auf Rundfunk um. Noch warfen die Fahrradklingeln ordentliche Gewinne ab, außerdem konnten rund 200 Mitarbeiter nicht auf einen Schlag umgeschult werden, genausowenig wie der ganze Maschinenpark sofort ausgewechselt werden konnte. Erst 1930 wurde die Fahrradglocken-Produktion eingestellt.

Hermann Schwer "kreiert" eine Marke : SABA

So produziert SABA erst einmal Kopfhörer, wobei Hermann Schwer von vornherein darauf bedacht ist, einen Markenartikel zu schaffen - eine Strategie, die damals noch nicht selbstverständlich ist. Die Produzenten von Empfangsgeräten und Zubehör in der Anfangsphase der Rundfunkindustrie sind meist anonym, das Publikum kennt in aller Regel nicht viel mehr als den Namen „Telefunken". SABA versucht von vornherein, seine Produkte als Schwarzwälder Präzisionsarbeit auf den Markt zu bringen, und damit den guten Ruf der Schwarzwälder Uhrenindustrie und anderer Feinmechanik auf den Rundfunkbereich zu übertragen. Nicht nur die Kopfhörer, auch Zubehör- und Einzelteile kommen von Anfang an mit dem Markennamen SABA auf den Markt. Das Firmensignet wird im Dezember 1925 in die Zeichenrolle beim Patentamt in Berlin eingetragen.

Die Marke SABA wird erfolgreich

„Diese Marke bürgt für Qualität" ist der SABA-Werbespruch der frühen Jahre. Auf der 1. Deutschen Funkausstellung ist SABA mit einem Informationsstand für Kopfhörer vertreten. 1925 wird das Angebot erweitert: Radiobauteile, Kondensatoren, Transformatoren, Batterien. SABA profitiert auf diese Weise vom Bastlerboom der ersten Rundfunkjahre. 1926 kommen Spulen, Trichterlautsprecher, Heizwiderstände hinzu, alles Eigenkonstruktionen und -Produktionen.

SABA jetzt Mitglied im Oligopol

Schon 1926 stellt SABA außer Röhren alle wichtigen Einzelteile für den Bau eines Empfangsgeräts her, so daß ab Ende 1926 komplette Baukästen angeboten werden, die auch dem technischen Laien die Zusammensetzung eines Radio erlauben. Anfang 1927 wird SABA Mitglied im Verband der Funkindustrie; der Antrag der Schwarzwälder war in diesem Jahr der einzige von 250, der angenommen wurde. Damit durfte SABA auch komplette Radios herstellen.

Und ein "Slogan" mußte her:

„SABA - die Weltmarke für Radiogeräte und Einzelteile" heißt fortan die Firmenwerbung. Allerdings sind die kompletten SABA-Geräte zunächst kaum mehr als die bisherigen Baukästen plus Gehäuse - ein Holzkasten mit drei Bedienungsknöpfen und einer Drehskala. Ende 1927 produziert SABA 50 Geräte dieser Art pro Tag, doch bleibt die Produktion von Einzelteilen das Schwergewicht.

Die Bastler werden immer weniger

Danach läuft die Bastlerbewegung allmählich aus, die Radioindustrie konzentriert sich mehr und mehr auf komplett montierte Geräte. Gleichzeitig verstärkt sich der Trend zum Radio als Teil der Wohnungseinrichtung, mehr Möbel als technisches Gerät. SABA will dieser Marktentwicklung gerecht werden und bringt 1928 ein breit gefächertes Sortiment mit vier Gerätetypen auf den Markt. 1929 wird die Produktpalette noch einmal erweitert. Angeboten werden Geräte mit Holz- oder Metallgehäuse, mit oder ohne Schirmgitterröhren (die noch mehr Trennschärfe erreichen), mit Wechselstrom-, Gleichstrom- oder Batterieanschluß, Bezirks- und Fernempfänger - und das alles ausgestattet mit zwei bis sieben Röhren.

SABA baut jetzt auch Musikschränke

Dazu kommen Musikschränke in Eiche oder Nußbaum, die Luxusausführung heißt „Orgon". Im Prospekt heißt es: „Eine Musterarbeit der Möbelkunst. Künstlerisch geschmackvolle Ausführung, Maccasar-Ebenholz; die aus jedem Teil ersichtliche Wertarbeit stempelt den SABA-Orgon zu einer Gipfelleistung des Radio- und Elektro-Musikinstrumentenbaues." Das Schmuckstück kostet die Kleinigkeit von 1.800 Reichsmark.

1930 - Das zu große Sortiment wirft SABA zurück

Es zeigte sich bald, daß SABA mit diesem vielfältigen und fast schon unübersichtlichen Sortiment falsch lag. Die Produktionskapazität reichte bei weitem nicht aus, um derart viele Gerätetypen in angemessener Stückzahl zu produzieren. Der Umsatz ging 1929 von 2 Millionen auf 1,6 Millionen Reichsmark zurück, 1930 rutscht die Firma in die Verlustzone.

1931 - Reduzierung auf zwei Gerätetypen

Aber schon 1931 hat sich SABA erholt und steigt mit einem Marktanteil von 8,5 Prozent auf den dritten Platz nach Telefunken (21,8) und Mende (11,9). Das liegt vor allem an der Reduzierung auf zwei Gerätetypen zum Neuheitentermin im Herbst 1930. Eins dieser Geräte ist der "S35", der technisch und optisch völlig neu ist und zum Verkaufsschlager wird. 1931 produziert SABA mit dem "S35" zum ersten Mal mehr als 100.000 Geräte eines Typs, die Umsätze steigen beträchtlich
Dieser Erfolg setzt sich in den folgenden Jahren fort. Auch das leicht veränderte Nachfolgemodell des "S35" wird gut verkauft, außerdem bringt SABA zwei Geräte auf den Markt, in denen zum ersten Mal der Lautsprecher in das Gehäuse integriert ist.

Neu bei SABA : Der Schwundausgleich

Eine weitere technische Neuerung: Das erste Gerät mit automatisch geregeltem Schwundausgleich kommt auf den Markt, dieses Radio hat also konstante Lautstärke. Im nächsten Jahr kommt die nächste Neuentwicklung: Der Superhet, der gegenüber dem bis dahin üblichen Geradeaus-Empfänger erheblich genauere und stabilere Senderwahl ermöglicht.

Lästig - Jedes Jahr der Zwang zu neuen Geräten

Durch derlei technische Verbesserungen kann SABA über Jahre hinweg Vorteile gegenüber den Wettbewerbern erringen. Das Saisongeschäft bringt es mit sich, daß Jahr für Jahr zum „Neuheitentermin" im Herbst ein neues Produktprogramm vorgestellt weren muß. In der Aufbauphase der Rundfunkindustrie sind die Möglichkeiten für technische Neuerungen noch so vielfältig, daß die Solidität und Wertbeständigkeit eines Gerätes als Kaufargument eine geringere Rolle spielen als die technische Neuheit, die gleichzeitig deutlich bessere Empfangsqualität bedeutet.

1932 - SABA hat fast 500 Mitarbeiter

SABA gelingt es in dieser Phase häufig, mit technischen Neuerungen vorn zu liegen und damit einen Wettbewerbsvorteil für jeweils ein Jahr zu erringen. Dazu kommt die Betonung von Qualität und Qualitätskontrolle („Schwarzwälder Präzision"), ein Werbeargument, das augenscheinlich viele Kunden überzeugt hat. 1932 macht SABA 11,4 Millionen Reichsmark Umsatz, damit ist die Firma erstmals in der Lage, größere Investitionen zu tätigen. Die Fabrik in Villingen wird erweitert, neue Maschinen werden angeschafft, die Kapazität dadurch erweitert - inzwischen beschäftigt SABA fast 500 Arbeiter und Angestellte -, die Produktion wird modernisiert und radionalisiert.

Ein atypischer Aufwärtstrend bis 1928

Dieser Aufwärtstrend noch zu Anfang der 30er Jahre ist atypisch für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die „Goldenen 20er" dauerten ökonomisch gesehen nur vier Jahre, nämlich von 1924 bis 1928. Während das Rundfunkgeschäft sich als erstaunlich krisenfest erwies, gab es allgemeinwirtschaftlich immer wieder Einbrüche. Den ersten 1925/26 mit über zwei Millionen Arbeitslosen, von dem sich die deutsche Wirtschaft nicht zuletzt aufgrund der unerwartet segensreichen Folgen des Dawes-Planes erholte.

Deutschland schließt auf zur Weltspitze

Mit Hilfe ausländischer Anleihen, neuem Sparkapital und durchgreifenden Rationalisierungen war es gelungen, den Produktionsapparat in Industrie und Landwirtschaft zu modernisieren. Kohleförderung, Rohstahlerzeugung und Elektrizitätsgewinnung liegen bald wieder über dem Vorkriegsniveau. 1929 übersteigt der Außenhandel das Niveau von 1913 um 29%. In der elektrotechnischen, der chemischen, der feinmechanischen und der optischen Industrie ist Deutschland wieder führend auf dem Weltmarkt. Obwohl 1919 alle Kriegs- und Handelsschiffe an die Kriegsgegner abgegeben werden mußten, lag Deutschland Ende der 20er Jahre in der Schiffahrt weltweit wieder auf Rang vier. Das begehrte „Blaue Band" für die schnellste Atlantik-Überquerung ging 1929 an das deutsche Schiff „Bremen", 1931 an die „Europa". Auch im Luftverkehr gehörte Deutschland ausgangs der 20er Jahre zur Weltspitze.

Der Owen D. Young Vorschlag

Weil das alles so augenscheinlich gut funktionierte, setzten sich die Gläubigernationen für eine endgültige Regelung des Reparationsproblems ein, denn der Dawes-Plan war ja eindeutig eine Übergangslösung ohne Festlegung der Reparationshöhe und der Zahlungsfrist. Eine internationale Kommission unter Leitung von Owen D. Young - ein führender Mann der US-Elektroindustrie - arbeitete einen neuen Plan aus, der am 30. Januar 1933 unterzeichnet wurde, den Reichstag gegen den Widerstand der Rechtsparteien passierte und rückwirkend zum 1. September 1929 in Kraft gesetzt wurde.

Im Young-Plan wurden die deutschen Reparationsverpflichtungen endgültig auf 121 Milliarden Reichsmark festgelegt, zahlbar in Raten bis 1988. Dabei sollte nicht das Reich, sondern die deutsche Witschaft für die Zahlungen verantwortlich sein, die politische Schuld des Kriegsverlierers wurde also gleichsam „kommerzialisiert".

Das Hoover-Moratorium

Gleichzeitig wurde die Besetzung deutscher Gebiete aufgehoben, ebenso die Aufsicht über Bereiche der deutschen Wirtschaft durch die Gläubigerländer. Aber schon im Juni 1931 schlug US-Präsident Hoover vor, alle internationalen Zahlungen für ein Jahr auszusetzen (Hoover-Moratorium), ein Jahr später wurde der Young-Plan endgültig aufgegeben. Die wirtschaftliche Situation hatte sich inzwischen so dramatisch geändert, daß an regelmäßige Zahlungen nicht mehr zu denken war.

Die sogenannten „Goldenen 20er Jahre" - eine Scheinblüte

Der zweite Konjunktureinbruch der 20er Jahre, der dann in die Weltwirtschaftskrise mündete, hatte sich schon 1928 angekündigt. Die sogenannten „Goldenen Jahre" der Weimarer Republik waren im Kern eine wirtschaftliche Scheinblüte, die auf ausländischem Kapital beruhte. Durch die Inflation war die finanzielle Basis der deutschen Großbanken ausgehöhlt. Die Bevölkerung hatte nach den Erfahrungen der Inflation keinen besonderen Drang zu sparen, die inländische Kapitalbildung blieb daher weit hinter dem Normalzustand zurück.

Ungesunde Banken - zu wenig Eigenkapital

Viele Banken und Sparkassen hatten zu wenig Eigenkapital. 1929 betrug das Verhältnis von eigenem zu fremdem Kapital bei allen deutschen Privatbanken 1:10, bei den Berliner Großbanken sogar 1:15. Die Fremdmittel waren zu einem hohen Prozentsatz ausländische Einlagen, und zwar meist kurzfristige Kredite, bis zu 50 Prozent der Einlagen der Berliner Großbanken kam aus dem Ausland.
Im November hatte Stresemann noch gewarnt: „Wenn einmal eine Krise bei uns kommt und die Amerikaner ihre kurzfristigen Kredite abrufen, dann ist der Bankrott da."

Stresemann - der Rufer in der Wüste

Aber solche Warnungen halfen ebensowenig wie die Versuche der Reichsbank, gegen diese Entwicklung zu steuern. Dazu fehlten der Reichsbank gesetzliche Mittel. Als die amerikanischen Kredite 1928 nicht mehr so üppig flössen, weil die Amerikaner angesichts des Wertpapierbooms lieber im eigenen Land spekulierten, zeigte sich schon, auf welch tönernen Füßen das deutsche Geld- und Kreditsystem stand.

Der „Schwarze Freitag" im Oktober 1929

Nach dem Kurssturz an der New Yorker Börse im Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag" der Wall-Street, nahmen die Kapitalexporte aus den USA dann so rapide ab, daß die internationale Kaufkraft vor allem Deutschlands deutlich zurückging. Deutschland war vor der Weltwirtschaftskrise 1929 die zweitgrößte Industrienation. Die Industrie stellte 1928 etwa 12 Prozent der Weltproduktion her, die USA erzeugte rund 45 Prozent der industriellen Produktion der 24 bedeutendsten Industrienationen. Der Einbruch des Giganten USA zog den Sturz der anderen nach sich, vor allem wegen der nachlassenden Nachfrage der USA am Weltmarkt.

1931 - Fast 31% Arbeitslose

1929 hatten die USA noch für rund 4,4 Milliarden Dollar importiert, bis 1932 waren die Einfuhren auf etwa 1,3 Milliarden Dollar geschrumpft. Zu Beginn der Depression betrugen die deutschen Exporte etwa 12,3 Milliarden Reichsmark. Bis 1932 sanken sie auf 5,7 Milliarden. Die Folge waren Entlassungen und Betriebs-Stillegungen, fast sieben Millionen Arbeitslose. 1928 lag die Arbeitslosenquote noch bei 7%, 1932 bei fast 31%.

ab 1931 - Der wirtschaftliche Niedergang

Die politische Entwicklung beschleunigte den wirtschaftlichen Niedergang entscheidend. Bei den Reichstagswahlen im September 1930 erreichten die Nationalsozialisten 107 von 577 Sitzen (vorher 12), die Kommunisten 77 (vorher 54). Ausländische Gläubiger fürchteten eine Radikalisierung der deutschen Politik und zogen massenhaft ihre kurzfristigen Gelder ab.

Fast alle großen deutschen Banken im Staatsbesitz

Als im Mai 1931 die Wiener Creditanstalt ihre Zahlungen einstellte, setzte ein neuer Run auf die deutschen Banken ein, der zum Zusammenbruch des gesamten dutschen Banksystems hätte führen können. Zu diesem Zeitpunkt schlug US-Präsident Hoover das bereits erwähnte Moratorium vor, außerdem bekam die Reichsbank einen 150-Millionen-Dollar-Kredit, überwiegend von den Zentralbanken der Alliierten. Trotzdem war es für einige Banken schon zu spät.

Eine der wichtigsten deutschen Banken, die Darmstädter und Nationalbank, erklärte am 13. Juli 1931 ihre Zahlungsunfähigkeit, auch andere Geldinstitute kamen in arge Bedrängnis, weil sie sich bei der Finanzierung unsolider Industrie-Unternehmen übernommen hatten. Die Reichsbank mußte den größten Teil des Kredits der Alliierten zur Sanierung der geschwächten Banken einsetzen. Das Reich wurde auf diese Weise zum Mehrheitsktionär zum Beispiel der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Deutschen Bank.

Harte Einschränkungen per Gesetz

Die Regierung Brüning (März 1930 bis Mai 1932) versuchte, durch
Preisdruck die Chancen der deutschen Exportindustrie auf dem Weltmarkt und die Beschäftigung im Inland zu erhöhen. Einkommens- und Umsatzsteuer wurden erhöht, eine Sondersteuer auf Mineralwasser, Zucker und Bier erhoben, Warenhäuser und Junggesellen mußten ebenfalls eine Sonderabgabe zahlen - der Staat wollte auf der einen Seite mit Gewalt seine Einnahmen erhöhen, auf der anderen Seite die der Bürger drastisch kürzen. Ende 1931 wurden die Löhne auf das Niveau von 1927 reduziert, die Beamtengehälter schrumpften 1931 gleich dreimal um insgesamt 23%, die gebundenen Preise wurden zweimal um je 10% gesenkt, die freien Preise reagierten entsprechend. Die Mieten wurden gekürzt, die Zinsen gesenkt.

Es war die falsche Strategie

Aber die Strategie des „Hungerkanzlers" Brüning schlug fehl: Das Ausland reagierte auf die billigeren deutschen Exporte mit protektionistischen Maßnahmen, so daß die Weltmarktpreise schneller fielen als die der deutschen Exporte. Und im Inland führte die drastische Beschneidung der Einkommen zu nachlassender Nachfrage. Dazu kamen sinkende Investitionen, so daß die gesamte wirtschaftliche Aktivität zurückging. Während Brünings Kanzlerschaft stieg die Arbeitslosenzahl von 2,3 auf 6 Millionen.

Ein Beschäftigungsprogramm für 135 Milliarden Goldmark

Im Mai 1932 beschloß die Regierung Brüning noch ein Beschäftigungsprogramm in Höhe von 135 Milliarden Reichsmark, das von der Regierung Papen fortgeführt wurde. Zusätzlich brachte die Regierung Papen noch einmal 200 Millionen Reichsmark für unmittelbare Arbeitsbeschaffung auf. Mit beiden Programmen sollte die Arbeitslosenzahl bis Ende 1933 um 1,7 Millionen reduziert werden.
Allerdings setzte Reichskanzler Papen mehr auf mittelbare Arbeitsbeschaffung: Steuergutscheine und Beschäftigungsprämien, mit denen die Arbeitgeber zu Investitionen und Produktionserweiterungen ermuntert werden sollten. Das wollte sich die Regierung Papen stolze 2,2 Milliarden Reichsmark kosten lassen. Aber Papen kam nicht mehr dazu, seine Arbeitsmarktpolitik auszuprobieren.

Wilde Rechnereien um Milliarden

Nach gut sechs Monaten Regierungszeit wurde Papen vom Kabinett Schleicher abgelöst, das in den letzten beiden Monaten der Weimarer Republik noch einmal einen anderen Akzent setzen wollte: unmittelbare Arbeitsbeschaffung. Die Reichsbank sagte einen Kredit von 2,7 Milliarden Reichsmark zur Finanzierung dieses Programms zu. Allerdings mußte davon auch das 2,2-Milliarden-Programm der Regierung Papen mitfinanziert werden, so daß für Schleichers Sofortprogramm nur noch eine halbe Milliarde übrigblieb.

Dieses Geld ging überwiegend an Länder und Gemeinden für Straßenbau, kommunale Versorgung, Reparatur und Verbesserung bestehender Anlagen, Siedlungsbau und dergleichen mehr - ein Bündel von Arbeitsbeschaffungsmaßnehmen, die später die Grundlage für die Ankurbelungspolitik der Nazis bildete.

Weiter geht es mit der persönlichen Erzählung von HBS aus seinem Leben
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