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Philips »Kontakte« 52 / Dezember 1980
Philips 1980 - Projektions Fernsehen

Seit kurzem ist es im Lieferprogramm: Philips Projektions-TV. Mit dieser neuen Fernsehanlage wendet sich Philips vor allem an jene Benutzerkreise, die für ihre Zwecke ein größeres Fernsehbild brauchen als das, was ihnen der 66-cm-Bildschirm bieten kann.
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  • Anmerkung : In der Philips Zeitschrift von Ende 1980 wird natürlich kein Wort von dem sehr eleganten GRUNDIG Cinema 9000 Farbfernsehprojektor von 1979 erwähnt, obwohl ja gerade erst der Einstieg von Philips bei Grundig bekannt gegeben worden war.

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Ausstattung

Das Projektionsgerät (Typbezeichnung 60 CP 2605/02 B) ist in einem mit Rollen versehenen Gehäuse untergebracht und hat die Abmessungen 73 X 54 X 73 cm (B X H X T). Es enthält neben der eigentlichen Projektionseinheit, bestehend aus drei Objektiven und drei Farbbildröhren, auch das netzgetrennte Fernsehempfangs-Chassis Kl 2/Z.

Alle Bedienungselemente wurden an der Rückseite des Gehäuses zusammengefaßt. Es handelt sich um 12 Computertasten für den Abruf von maximal 29 elektronisch speicherbaren Programmen, Plus-Minus-Tasten für das Einstellen der Lautstärke, Bässe, Höhen, Farbsättigung und Helligkeit sowie Tasten für die Funktionen Ein-Aus, Ton-Stumm, Automatik und Einstellanzeige auf dem Projektionsschirm.

Alle erwähnten Vorgänge lassen sich ebenfalls mit der Infrarot-Fernbedienung steuern, die darüber hinaus noch die Umschalttaste für den Bereitschaftsbetrieb (stand-by) enthält.

Außerdem sind am Gerät folgende Bedienungselemente unter einer Klappe angeordnet: der Kontrastregler sowie Tasten für Suchlauf, Handabstimmung, Speicherautomatik und Bereichswahl. Ein zweistelliges Display zeigt die Nummer des gewählten Programms im Bedienungsfeld des Gehäuses an.

Auf dem Projektionsschirm können waagerechte Farbbalken als optische Einstellhilfen für die Funktionen Senderabstimmung, Lautstärke, Bässe, Höhen, Helligkeit und Farbsättigung auf Tastendruck eingeblendet werden. An der Gehäusevorderseite befinden sich Anschlußbuchsen für Antenne, AV-Betrieb, Kopfhörer, Tonaufzeichnung und MFB-Boxen.

Ebenfalls im Vorderteil ist die HiFi-Lautsprecherbox untergebracht, die mit 20 W Musikleistung belastbar ist und den Fernsehton gegen den Projektionsschirm abstrahlt. Dieser ist mit einer hochreflektierenden Aluminiumfolie beschichtet, konkav gewölbt und hat eine Bilddiagonale von 152 Zentimetern (60 Zoll).

Optik

Bei einer Direktsicht-Farbbildröhre kann man bei naher Betrachtung deutlich die Struktur der Schattenmaske erkennen, die sich auf der Schirmfläche als Punktmuster abzeichnet. Würde man diesen Röhrentyp in Verbindung mit einer vorgesetzten Optik zum Projizieren des Fernsehbildes benutzen, so käme neben ungenügender Helligkeit und mangelnder Schärfe auch diese Maskenstruktur störend zum Vorschein.

Man verwendet deshalb drei einzelne maskenlose 15cm-Farbbildröhren (6 Zoll) und steuert sie mit den roten, blauen und grünen Farbsignalen an.

Die jeweiligen Leuchtstoffe in den Röhren werden daher voll vom Strahlstrom getroffen, so daß eine sehr hohe Leuchtdichte entsteht. Sie beträgt in Schirmmitte bei einem weißen Bildfeld etwa 140 Candela pro Quadratmeter (140cd/m2) und übertrifft damit die Helligkeit eines Kinobildes um rund das Zweifache.

Wie Bild 2 zeigt, sind die Projektionsröhren nebeneinander und leicht nach oben geneigt im Vorderteil des Gerätes angeordnet. Der Winkel beträgt etwa 20°. Die beiden äußeren Röhren mit den roten und blauen Farbauszügen sind gegen das mittlere grüne Bezugssystem ebenfalls leicht abgewinkelt, und zwar um 4°.

Da jede Schrägprojektion eine Abweichung vom Originalbildformat hervorruft, gleicht man die entstehenden Rasterverzerrungen durch Konvergenzschaltungen wieder aus, so daß letztlich über den gesamten Projektionsschirm ein deckungsgleiches Farbbild erscheint.

Den Aufbau der Projektionsoptik kann man aus Bild 3 entnehmen. Es handelt sich um ein vierlinsiges Objektiv mit einer Brennweite von f=135mm und einer Blendenzahl F=l,2. Innerhalb gewisser Grenzen läßt sich die Brennweite verändern, wodurch die unterschiedlichen Brechungsindizes der roten, grünen und blauen Lichtstrahlen ausgeglichen werden.

Wie aus dem Längsschnitt in Bild 3 hervorgeht, sitzt die Farbbildröhre unmittelbar hinter dem Objektiv und ist mit diesem zu einer Einheit verbunden. Das auf dem Schirm der Röhre entstehende Raster von etwa 7 x 9cm wird fast vierzehnmal größer auf der Projektionsfläche abgebildet.

Die Eintrittsöffnung der Optik (man nennt sie Pupille und definiert damit die das Licht aufnehmende Fläche der Linse bzw. den Durchmesser des in die Linse fallenden Lichtbündels) ist rund 11cm groß und entspricht somit der Diagonale des Fernsehbildes auf der Röhre.

Anhand des »aufgeschnittenen« Gerätes in Bild 4 wird die Anordnung der drei Farbbildröhren und der zugehörigen Objektive deutlich gemacht.

Der Projektionsschirm

Wie schon erwähnt, ist der Projektionsschirm konkav gewölbt, d.h. er weist eine Krümmung in Richtung der Zuschauer auf. Warum das so ist, geht aus der Skizze in Bild 5 hervor. Die dort mit L bezeichnete Lichtquelle entspricht den Farbbildröhren samt Optik, der mit Z gekennzeichnete Ort deutet den Zuschauer an.

Ein im Punkt B ankommender Lichtstrahl wird von der Projektionswand voll reflektiert und ruft deshalb beim Zuschauer den größten Helligkeitseindruck hervor. Anders sieht es im Punkt A aus. Der dort schräg auf treffende Lichtstrahl wird seitlich abgelenkt und nur ein kleiner Teil kann vom Betrachter wahrgenommen werden. Ist die Wand dagegen mit einem bestimmten Radius gekrümmt (in diesem Fall beträgt der Radius 3m), so wird auch im Punkt C fast alles Licht zum Zuschauer reflektiert, und es ergibt sich über die gesamte Schirmfläche eine nahezu gleichmäßige Helligkeit.

Dies ist auch aus den drei Lichtverteilungskurven in Bild 5 erkennbar, bei denen die von den Punkten A, B und C ausgehenden reflektierten Lichtanteile an den Schnittpunkten a, b und c angedeutet sind.

Der Projektionsschirm aus Kunststoff ist mit einer Aluminiumfolie beschichtet und strahlt das auftreffende Licht aufgrund einer besonderen Oberflächenstrukturierung mit einem hohen Wirkungsgrad zurück.

Zum Schutz gegen Fingerabdrücke, Staub und ähnliche Verschmutzungen ist das Aluminium wiederum mit einer dünnen Kunststoffolie überzogen, die man mit Wasser und einem milden Reinigungsmittel im Bedarfsfall auch vorsichtig abwaschen kann.

Durch ein leichtes Neigen des an der Wand befestigten oder auf einem als Zubehör lieferbaren Gestell stehenden Projektionsschirms kann eine für den jeweiligen Zuschauerkreis optimale Bildhelligkeit eingestellt werden.

Der günstigste Zuschauerplatz befindet sich in einem Abstand zwischen 3m und 10m und in einem horizontalen Winkel von etwa 60° vor dem Schirm (Bild 6), während der vertikale Betrachtungswinkel (größte Helligkeit) rund 30° beträgt und in Bild 7 dargestellt ist.

Natürlich läßt sich das Geschehen auf dem Projektionsschirm auch noch außerhalb der angegebenen Winkel verfolgen, man muß dann aber eine geringere Bildhelligkeit in Kauf nehmen. Der Abstand vom Schirm zum Projektionsgerät ist auf 2 m festgelegt.

Anwendungen

Projektionsfernsehen ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Unsere Bilder auf der nächsten Seite zeigen, daß Philips bereits im Zeitalter des Schwarzweißfernsehens ein Pionier der TV-Projektion war.

An der Zielsetzung für diese Art des Fernsehens und an den Anwendungsmöglichkeiten hat sich daher kaum etwas geändert. Allerdings - die farbige Wiedergabe von großen Bildern erweiterte die Ausdruckskraft und den Detailreichtum der übermittelten Informationen erheblich, und man darf daher zu Recht behaupten, daß »Projektions-TV 1980« einen großen fernsehtechnischen Fortschritt darstellt.

Mit einem Großbild von 125 mal 96 cm eröffnen sich neue Fernseh-Perspektiven vor allem dort, "wo" man das Fernsehprogramm einem großen Zuschauerkreis zeigen möchte. Das kann in Hotels und Gasthäusern, in Seniorenheimen und Feriensiedlungen sowie in den Clubhäusern von Sportvereinen (Bild 9) und natürlich auch zu Hause genauso sein wie in Konferenzräumen, Hörsälen und Klassenzimmern von Seminaren, Lehrinstituten, Berufsschulen und anderen, der Aus- und Fortbildung dienenden Institutionen (Bild 10).
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  • Anmerkung : Wie auch an anderer Stelle schon angemerkt, ist das Aufstellen eines Projektors in Senioren- und Altenheimen ein Flop, denn dort will jeder Bewohner "sein" Programm in seiner Lautstärke bewundern. Alles andere ist reine Theorie oder sogar Unsinn.


Speziell im Schulungsbereich stößt das Projektions-Fernsehen auf ein überaus großes Interesse, was nicht verwunderlich ist; denn überall dort, wo man mit elektronischen AV-Hilfsmitteln vor einem größeren Personenkreis arbeitet, besteht der Wunsch nach einem großen, farbgetreuen und kontrastreichen Fernsehbild, um jedem Teilnehmer ein Optimum an visuellen Informationen übermitteln zu können. Daß dies nicht nur für die soeben erwähnten Bereiche zutrifft, sondern ebenso für den Freizeit- und Unterhaltungsaspekt gilt, versteht sich bei den vielen Vorteilen des Projektions-TV eigentlich von selbst.

Historisches

Anfangs der »Fünfziger« - also vor nunmehr fast 30 Jahren - erlebte das Fernsehen in Deutschland sozusagen eine »zweite Premiere«. Es baute auf der neuen Norm mit 625 Zeilen auf, die gegenüber dem 1937 eingeführten ersten System mit 441 Zeilen eine bessere Bildqualität lieferte.

Bemerkenswert ist übrigens die Tatsache, daß in jenen Fernseh-Gründerjahren auch die Projektion schon eine Rolle spielte und als »Großbildstelle« z. B. in öffentlichen Fernsehstuben für das Publikum zugänglich war.

Wesentlich moderner in der Technik waren allerdings die 1951/52 auf den Markt gekommenen Projektionsfernsehgeräte aus der Philips-Produktion.

Wegen der damals noch recht kleinen Bilder der 36cm-Bild-Röhren war ein gewisser Bedarf vorhanden, der in erster Linie aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe kam, aber später auch im Heimbereich registriert wurde.

Selbstverständlich kein Wort vom SABA Telerama mit der Schmidt Optik von Philips

Für den erstgenannten Sektor stellte Philips seinerzeit den Großbildprojektor »Jumbo« her (Bild 11), der ein stabiles Stahlblechgehäuse hatte und dessen Bilddiagonale immerhin 125cm betrug.

Weniger unförmig und mit einem ansprechenden hochglanzpolierten Edelholzgehäuse präsentierte sich der kleine Bruder mit der schlichten Bezeichnung Projektionstruhe TD 2312 (Bild 12).

Sie war als Heimgerät konzipiert und lieferte ein 34 x 45cm großes Bild. Beide Ausführungen arbeiteten mit einer sogenannten Schmidt-Optik und einer 6cm-Projektionsröhre, deren Bild von der am Gehäuseboden befestigten Optik über einen im Gehäuseoberteil angeordneten Umlenkspiegel auf eine als Bildschirm wirkende Mattscheibe "geworfen" wurde. Bild 13 zeigt die Schmidt-Optik und einen Teil der Hochspannungseinheit.

Man bezeichnet dieses Verfahren als Durchlichtprojektion, das heutige Verfahren dagegen als Auflichtprojektion.

Der Philips-Schwarzweißprojektor »Mammut«

Noch größere Bilder erzeugte damals der Philips-Schwarzweißprojektor »Mammut« (Bild 14), dessen Anwendung jedoch mehr im institutionellen Bereich lag und der natürlich auf eine Leinwand projizierte.

Dies galt auch für den in Bild 15 dargestellten Farbfernsehprojektor, den Philips 1961 im Hörsaal der Universitätsklinik Frankfurt installierte und der farbige Bilder von Operationen übertrug.

Damals dominierte noch die klassische Röhrentechnik, und auch die Schmidt-Optiken in dem Projektions-Drilling erforderten einen weitaus höheren technischen Aufwand als heute. Nicht umsonst hieß also auch diese Großbild-Anlage »Mammut«.

Heinz Bahr

Die Bilder kommen

PROJEKTIONS - FERNSEHEN
Bild 1 Da das »Projektions-TV« auch einen Anschluß für Videorecorder besitzt, kann man die aufgezeichneten Sendungen ebenfalls im Großformat 125 x 96 cm betrachten.
Bild 2 An der Vorderseite des Gerätes befinden sich drei Projektionsobjektive für die roten, grünen und blauen Farbauszüge, die von drei 6-Zoll-Farbbildröhren geliefert werden.
Bild 3 Längsschnitt durch das vierlinsige Projektionsobjektiv mit 135 mm Brennweite und einer Blendenzahl von 1,2. Optik und Farbbildröhre bilden eine Funktionseinheit.
Bild 4 Blick auf die Projektionseinheit und die HiFi-Lautsprecherbox.
Bild 5 Schema der Lichtstrahlenwege bei ebenem und gekrümmtem Schirm.
ca. 11,15 m
Bild 6 Innerhalb eines horizontalen Winkels von etwa 60° liegt der
günstigste Betrachtungsabstand zwischen 3 und 10 m.
Bild 7 Durch Neigen des Projektionsschirms läßt sich der günstigste vertikale Betrachtungswinkel einstellen.
Bild 8 Infrarot-Fernbedienung für Programmwahl, Bild- und Toneinstellung sowie Stand-by-Betrieb.
Bild 9 Sportler und Trainer können Bewegungsabläufe und taktische Spielvarianten auf der Projektions-Bildfläche viel besser beobachten und analysieren als auf dem Direktsichtgerät.
Bild 10 In der beruflichen Aus- und Fortbildung nehmen audiovisuelle Hilfsmittel heute eine bedeutende Rolle ein. Projektionsfernsehen erweitert die Möglichkeiten dieses Mediums erheblich.
Bild 11 Zu Beginn des Fernsehens stellte man Projektionsgeräte auf, damit größere Personenkreise problemlos an der Fernsehunterhaltung teilnehmen konnten. Im Bild der EL 5700 - genannt Jumbo - mit einer Bildfläche von 75 x 100 cm.

Philips »Kontakte« 52/1980
Bild 12 Heimprojektionstruhe TD 2312 von Philips. Der 56-cm-Bildschirm (34x45 cm) konnte mit zwei Klapptüren verdeckt werden.
Bild 14 Schwarzweiß-Großbildprojektor Mammut (1952).

Bild 13 Blick auf die Schmidt-Optik des TD 2312, die auch im Jumbo (Bild 11) benutzt wurde.
Bild 15 Farb-Großbildprojektor Mammut (1961) im Frankfurter Uni-Hörsaal.

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