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Der Goya K6 - einer der allerersten großen PAL Farbfernseher

Ein beinahe neuwertiger Philips K6
mit spartanerm Bedienteil
und eindeutigem Namen = Goya

Die Namensgebung bei Philips in Holland ist "sehr empirisch", vor allem bei den professionellen Geräten. Die Philips Studio-Kameras beginnen fast alle mit "LDK" ... und keiner kann mir sagen, wie diese drei Buchstaben zustande gekommen waren. Es sei Zufall gewesen.

Und dieser Fernseher mit der Type "D 25 K 761/02" ist unter der Bezeichnung "Goya K6" bekannt. Doch das steht nirgendwo drauf. In anderen Publikationen steht das "K" für die Krefelder Produktion und die nachfolgende Nummer für die Chassis-Version.
Der Vorläufer, der Philips K4 war "angeblich" - das ist von den verbliebenen Fachleuten noch nicht bestätigt - der wirklich allererste Philips Farbfernseher aus Krefeld - aber noch in NTSC Ausführung - mit langer runder amerikanischer Bildröhre - und nur speziell für den kanadischen Markt im Jahr 1964 gebaut.
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Was ist das Besondere an diesem "K6" ?
Im Juni 2018 haben wir solch einen Meilenstein bekommen

Und dieser Meilenstein ist jetzt 51 Jahre alt. Er hat bestimmt 30 Jahre irgendwo in einem Keller gestanden. Die 3mm Schrauben der Rückwand waren nämlich alle vier in den ALU-Haltewinkeln eingerostet. Das Holzgehäuse ist dagegen wundeschön hochglanzlackiert und fast wie neu.

Eigentlich war er frontseitig sehr spartanisch ausgestattet, 6 Programmtasten auf der Frontseite, 4 Drehregler und ein Drucktaster zum Einschalten, das war alles.

Mehr brauchte man eigentlich auch nicht, außer für die eigenen Werbemenschen, mit irgendwelchen Extras ihr Gerät vom Wettbewerb abzuheben, den es damals ja noch gar nicht gab. In der SABA Krimi-Story steht sehr schön beschrieben, wie hart ab etwa 1965 der Kampf um den Einstieg in das erkennbar gigantische Farb-"Geschäft" war und welche (finanziellen) Dellen die Wettbewerber aushalten mußte. Nur Max Grundig war da wieder die Ausnahme, er konnte die Lieferanten aufgrund seiner enormen Stückzahlen zum Mitmachen "animieren" (oder besser gesagt "zwingen").
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380 Watt für die Röhrentechnik

Die Leistungsaufnahme von bis zu 380 Watt je nach eingestellter Helligkeit des Bildes war schon krass, aber mit dieser (Röhren-) Technik war es fast nicht anders machbar. Und das, obwohl bereits 7 von diesen "immer noch neuen" Transitoren zum Einsatz kamen. Max Grundig klotzte wenig später mit den ersten ICs, die dann 20 oder mehr Transitoren in ihrem Inneren hatten.

Schaun wir auf die Röhrentafel, kommt das Erschrecken. Brauchte man wirklich so viele Röhren für einen Farbfernseher ? Philips hatte einige automatische Regelkreise eingebaut, damit das Farb-Bild eine ganze Sendung lang oder gar einen ganzen Abend gleichermaßen schön war.

5 Jahre später hatte Grundig sich mit einem Großauftrag von über 4.500 großen 72cm Farbfernsehgeräten zu Olympiade 1972 in München fürchterlich ins Knie geschossen, die Konvergenz war nicht temperaturstabil und mußte während der ganzen Betriebszeit - also weit über 14 Stunden am Tag - immer wieder nachjustiert werden. Dazu waren fast 100 Techniker aus dem Werk und von allen Werks-Niederlassungen eingesetzt worden, die mißmutig durch Olympia eilten.
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Nur mal eine Liste der aktiven Bauelemente des K6

Das Chassis K6 enthält noch 27 Röhren und das war eine Menge Hitze. Der Nachfolger, das Chassis K7 enthielt nur noch 14 Röhren und sollte dennoch an die 350 Watt Leistung aufnehmen.
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Auf dem Bild rechts sieht man, wie gedrängt die Technik damals war. Oben rechts auf der ausklappbaren Platine sind die ersten Transistoren zu erkennen.

Leistung aufnehmen heißt aber, die wird ja irgendwo in Wärme umgesetzt und muß auch wieder raus aus dem Gehäuse. Also die ersten Farbfernseher heizten jedes Schaufenster über Nacht auf 30 Grad, denn diese Farbfernsher sollten ja bis spät in die Nacht laufen.
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Der einzige Hinweis auf das Datum

Hier auf einer Baugruppe war die KW 12 aus 1967 verewigt. Auf den ICs war das später ganz normal, daß man das Herstellerjahr der Komponenten ablesen konnte.

Hier sind die 27 Röhren markiert und noch mehr ist zu sehen

Alle Röhren sind auf den Baugruppen bzw. Platinen rot umrahmt, die Transistoren sind blau umrahmt. Damals gab es auf Röhren ein halbes Jahr Garantie, auf den Fernseher auch. Das machte manche potentiellen Kunden bei 27 Röhren schon skeptisch, doch der große Run auf die Farbfernseher bei den wenigen Wochenstunden in Farbe war anfänglich sehr gering. Solch ein super toller Farbfernseher kostet anfänglich 2.900.- DM - für viele Deutsche völlig unerschwinglich.

Man muß sich - wegen der wenigen Wochenstunden in Farbe - natürlich auch vorstellen, die öffentlichen Sender hatten ernsthafte Finanzprobleme mit ihren Farbstudios. Die Studio-Produkte wurden ja von der Fernseh Gmbh Darmstadt gerade erst entwickelt und ein Farbstudio mit 4 Farb-Kameras und einem Farb-Filmgeber samt Farb-Bildmischer und ein paar weitere "Kleinigkeiten" wie den Meßgeräten kostete gleich mal 2 oder mehr Millionen Westdeutsche Mark. Das war sicher verkraftbar, aber die Künstler und die vielen Kollegen aus der Technik konnten anfänglich mit der Farbe fast nicht umgehen und mußten das alles sehr aufwendig erlernen. Und das kostete anfänglich viel Zeit und damit auch Geld und dazu so manche Tränen.

Wenn dann dennoch eine Ansagerin in der Tagesschau oder Heute-Sendung mit leichenblassem Gesicht die Nachtrichten vorlas, war hinter den Kulissen Weltuntergangsstimmung und Zoff ohne Ende. Wer hat diese miserable Beleuchtung so grässlich verstellt, die Frau war doch vorher korrekt geschminkt. Das mit den Farben war also überhaupt nicht trivial und man konnte viele Fehler machen.
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25.000 Volt für ein helles sauberes Farbbild - eine Menge Volt für 2 Zeilentrafos

Die Elektronen aus dem Hals der Bildröhre müssen beschleunigt werden, damit sie mit Schmackes auf die Farbschicht innen auf dem Röhrenschirm auftreffen und einen hellen Leuchtpunkt erzeugen. Je höher die Spannung ist, desto heller wurde bei der damaligen Lochmaskentechnik das gesamte Bild.

Wie gesagt, wir sind in den Anfängen der Massenproduktion von europäischen rechteckigen Farbbildröhren. Die Amerikaner bei RCA und GE haben bestimmt jede Menge Lehrgeld bezahlt.

Und für die Beschleunigung des Strahles braucht man auch ein kleinwenig "Leistung", zwar nur ein paar Milliampere - das ergibt aber - mit der hohen Spannung multipliziert - eine ganz schöne Leistung.

Das macht dann das Hochspannungsteil mit den 4 dicken Röhren. Anfassen war absolut ungesund und in Bruchteilen von Sekunden tödlich. Also war das alles doppelt und dreifach abgeschirmt und auch noch beim Öffnen des Käfigs blockiert.
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Ein Knackpunkt stellte sich später als neuralgische Fehlerquelle heraus, der doppelte Zeilentrafo, der als Ersatzteil sehr selten war.

Das Gewicht kommt ja von irgendwo her

Obwohl der Goya keinen großen Netztrafo hat, wiegt er eine ganze Menge. Auf der Rückeite sieht man auf den Platinen 2 kleinere Trafos. Die Funktion läßt sich nur mit dem Schaltplan beschreiben.

Das gesamte Chassis ist nach hinten herausklappbar und enthält jede Menge Drähte. Das irritiert mich immer wieder, denn solche Mengen an Löststellen müssen von Hand getätigt werden und das kostet kostbare Montagezeit.

Und es können sich viel zu leicht Verwechselungen einschleichen, die den Reparateur am Ende des Fließbandes richtig fordern. Wenn bei einer Vertauschung bereits Bauteile kaputt gegangen sind, wird es noch komplizierter.
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Auf dem zweiten Bild sieht man, daß die vier Deckelschrauben verrostte waren und auf den ALU-Winkel abgefärbt haben.
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Die 389te Bildröhre

Nach den gesammelten Informationen wurden die großen Bildröhren anfänglich in "vorsichtigen Lots" gefertigt. Die innere Beschichtung der Schirmfläche war überhaupt nicht trivial und wurde laufend angepaßt.
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Weitere Besonderheiten, die Potis

Wir sind im Jahre 1967 und fast alle Hifi-geräte aus dieser Zeit "glänzen" mit kratzenden und krachenden Potentiometern. Hier in diesem Fernseher sind die voll gekapselten Potis in Stückzahlen vorhanden. Es ging also auch bei Konsunmergeräten, so teuer könen die also nicht gewesen sein.

Auch die Trimmpotentiometer auf den Hauptplatinen sind noch fast neuwertig blank und nach 50 Jahren immer noch nicht verrottet.

Nachdem ich geehen hatte, daß die Rückwandschrauben fast abgerostet waren, sind das hier erstaunliche Eindrücke. Also auch nach 20 Jahren im Keller sind die Trimmpotis nicht kohlrabenschwarz.
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Wir werden den K6 nicht mehr in Betrieb nehmen

Wie fast alle Röhrengeräte stammt der Philips K6 aus der 220 Volt Zeit und könnte mit 230 Volt ganz schön "ins Schwitzen" oder Dampfen kommen. Das sind dann die weißen Rauchwolken wie bei dem riesen großen Telefunken HDTV Fernseher aus 1991, der es trotz Regeltrafo auch sehr übel nahm, plötzlich mit 230 Volt gequält zu werden.
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