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Vorbemerkung zu diesem Meilenstein der Fernsehgeschichte

Ein beinahe neuwertiger Philips K6

Der Philips Goya (Chassis K6) war unseres Wissens nach der erste wirklich in großer Serie produzierte Farbfernseher, den man in deutschen Geschäften auch kaufen konnte. Die Meinungen der "Experten" - abweichend vom "Wissen" - gehen hier kreuz und quer durcheinander, je nach Firmenzugehörigkeit des befragten Zeitzeugen.

Dieser Philips Goya K6 wurde bereits zum Ende 1966 in Holland angeboten, bei uns aber erst ab Mitte 1967. Ob auch noch andere PAL-Farb- fernseher zum Beginn des deutschen Farbfern- sehens bzw. der ersten Farb-Testsendungen in Stückzahlen angeboten wurden, ist nicht mehr fundiert nachzuvollziehen. Laut Aussage des Technik-Chefs des Hessischen Rundfunks sowie des Professor Hausdörfer gab es zum Stichtag der Funkausstellung im Herbst 1967 in Deutschland West ca. (also maximal) 2.000 Farbfernseher. Die allermeisten dieser Erst-Geräte standen in den grösseren Städten in den Schaufenstern von Rundfunk- und Fernseh- Fachgeschäften und eine erstaunlich große Anzahl stand bei den ARD Sendern und dem ZDF - in deren Studios, in der Technik und natürlich in der Verwaltung (in den oberen Etagen). Die Chefs wollten ja live mitbekommen, wie sich die Farbe präsentiert, auch die der Konkurrenz.

Nachtrag vom Dez. 2019 - Mehr über die technischen Einzelheiten .....

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Der Goya D25 K 761/02 (mit dem K6 Farb-Chassis) - einer der allerersten großen PAL Farbfernseher

mit spartanerm Bedienteil
und eindeutigem Namen = Goya

Die Namensgebung bei Philips in Holland ist "sehr empirisch", vor allem bei den professionellen Geräten. Die Philips Studio-Kameras beginnen fast alle mit "LDK" ... und keiner kann mir sagen, wie diese drei Buchstaben zustande gekommen waren. Es sei Zufall gewesen.

Und dieser Fernseher mit der Type "D 25 K 761/02" ist unter der Bezeichnung "Goya K6" bekannt. Doch das steht nirgendwo drauf. In anderen Publikationen steht das "K" für die Krefelder Produktion und die nachfolgende Nummer für die Chassis-Version.

Der Vorläufer, der Philips K5 war "angeblich" (stimmt vermutlich nicht) - das ist von den verbliebenen Fachleuten noch nicht bestätigt - der wirklich allererste Philips Farbfernseher aus Krefeld - aber noch in amerikanischer NTSC Ausführung - also mit langer runder amerikanischer Bildröhre - und im Jahr 1964 ganz speziell für den kanadischen Markt gebaut. Der Goya K4 sei noch ein schwarz-weiß Gerät gewesen.
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Was ist das Besondere an diesem "K6" ?
Im Juni 2018 haben wir solch einen Meilenstein bekommen

(und im Nov. 2019 haben wir einen zweiten K6 bekommen)

Und dieser Meilenstein ist jetzt 51 Jahre alt.
Er hat bestimmt 30 Jahre irgendwo in einem Keller gestanden. Die 3mm Schrauben der Rückwand waren nämlich alle vier in den ALU-Haltewinkeln eingerostet. Das Holzgehäuse ist dagegen wundeschön hochglanzlackiert und fast wie neu.

Eigentlich war er frontseitig sehr spartanisch ausgestattet, 6 Programmtasten auf der Frontseite, 4 Drehregler und ein Drucktaster zum Einschalten, das war alles.

Mehr brauchte man eigentlich auch nicht, - außer vielelicht für die (firmen-) eigenen Werbemenschen, die mit irgendwelchen Extras ihr Gerät vom Wettbewerb abheben versuchten, den es aber damals ja noch gar nicht gab.

In der SABA Krimi-Story steht sehr schön beschrieben
, wie hart ab etwa 1965 der Kampf um den Einstieg in das erkennbar gigantische Farb-"Geschäft" war und welche (finanziellen) "Dellen" die Wettbewerber aushalten mußten.

Nur Max Grundig war da wieder die Ausnahme
, er konnte die Lieferanten aufgrund seiner enormen Stückzahlen zum Mitmachen "animieren" (oder besser gesagt "motivieren - andere Insider nannten das "nötigen" oder sogar "zwingen").
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380/400 Watt für die Röhrentechnik

Die Leistungsaufnahme von bis zu 400 Watt je nach eingestellter Helligkeit des Bildes war schon krass, aber mit dieser (Röhren-) Technik war es fast nicht anders machbar. Und das, obwohl neben den 26 Röhren +1 Bildröhre bereits 13 von diesen "immer noch neuen" Transitoren sowie 45 moderne Dioden zum Einsatz kamen.

Max Grundig klotzte wenig später mit den ersten ICs, die dann 20 oder mehr Transitoren in ihrem Inneren hatten.

Schaun wir auf die Röhrentafel, kommt das Erschrecken. Brauchte man wirklich so viele Röhren für einen "ganz normalen" Farbfernseher ?

Philips hatte einige automatische Regelkreise eingebaut, damit das Farb-Bild eine ganze Sendung lang oder gar einen ganzen Abend gleichermaßen "schön" war. Grundig hatte das anfänglich noch nicht !
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Eine vertuschte Spezial-Geschichte von Olympia 1972

5 Jahre später hatte Grundig sich mit einem Großauftrag von über 4.500 großen 72cm Farbfernsehgeräten zu Olympiade 1972 in München fürchterlich ins Knie geschossen, die Konvergenz war nicht temperaturstabil und mußte während der ganzen Betriebszeit - also weit über 14 Stunden am Tag - immer wieder nachjustiert werden. Dazu waren fast 100 Techniker aus dem Werk und von allen Werks-Niederlassungen eingesetzt worden, die mißmutig durch Olympia eilten. Mehr dazu steht im Profiteil des Fernsehmuseums.
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Nur mal eine Liste der aktiven Bauelemente des K6

Das Chassis K6 enthält noch 27 Röhren und das war eine Menge Hitze. Der Nachfolger, das Chassis K7 enthielt nur noch 14 Röhren und sollte dennoch an die 350 Watt Leistung aufnehmen.
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Auf dem Bild rechts sieht man, wie gedrängt die Technik damals war. Oben rechts auf der ausklappbaren Platine sind die ersten Transistoren zu erkennen.

Leistung aufnehmen heißt aber, die wird ja irgendwo in Wärme umgesetzt und muß auch wieder raus aus dem Gehäuse. Also die ersten Farbfernseher heizten jedes Schaufenster über Nacht auf 30 Grad, denn diese Farbfernsher sollten ja bis spät in die Nacht laufen.
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Der einzige Hinweis auf das Datum

Hier auf einer Baugruppe war die KW 12 aus 1967 verewigt. Auf den ICs war das später ganz normal, daß man das Herstellerjahr der Komponenten ablesen konnte.

Hier sind die 27 Röhren markiert und noch mehr ist zu sehen

Alle Röhren sind auf den Baugruppen bzw. Platinen rot umrahmt, die Transistoren sind blau umrahmt. Damals gab es auf Röhren ein halbes Jahr Garantie, auf den Fernseher auch. Das machte manche potentiellen Kunden bei 27 Röhren schon skeptisch, doch der große Run auf die Farbfernseher bei den wenigen Wochenstunden in Farbe war anfänglich sehr gering. Solch ein super toller Farbfernseher kostet anfänglich 2.900.- DM - für viele Deutsche völlig unerschwinglich.

Man muß sich - wegen der wenigen Wochenstunden in Farbe - natürlich auch vorstellen, die öffentlichen Sender hatten ernsthafte Finanzprobleme mit ihren Farbstudios. Die Studio-Produkte wurden ja von der Fernseh Gmbh Darmstadt gerade erst entwickelt und ein Farbstudio mit 4 Farb-Kameras und einem Farb-Filmgeber samt Farb-Bildmischer und ein paar weitere "Kleinigkeiten" wie den Meßgeräten kostete gleich mal 2 oder mehr Millionen Westdeutsche Mark. Das war sicher verkraftbar, aber die Künstler und die vielen Kollegen aus der Technik konnten anfänglich mit der Farbe fast nicht umgehen und mußten das alles sehr aufwendig erlernen. Und das kostete anfänglich viel Zeit und damit auch Geld und dazu so manche Tränen.

Wenn dann dennoch eine Ansagerin in der Tagesschau oder Heute-Sendung mit leichenblassem Gesicht die Nachtrichten vorlas, war hinter den Kulissen Weltuntergangsstimmung und Zoff ohne Ende. Wer hat diese miserable Beleuchtung so grässlich verstellt, die Frau war doch vorher korrekt geschminkt. Das mit den Farben war also überhaupt nicht trivial und man konnte viele Fehler machen.
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25.000 Volt für ein helles sauberes Farbbild - eine Menge Volt für 2 Zeilentrafos

Die Elektronen aus dem Hals der Bildröhre müssen beschleunigt werden, damit sie mit Schmackes auf die Farbschicht innen auf dem Röhrenschirm auftreffen und einen hellen Leuchtpunkt erzeugen. Je höher die Spannung ist, desto heller wurde bei der damaligen Lochmaskentechnik das gesamte Bild.

Wie gesagt, wir sind in den Anfängen der Massenproduktion von europäischen rechteckigen Farbbildröhren. Die Amerikaner bei RCA und GE haben bestimmt jede Menge Lehrgeld bezahlt.

Und für die Beschleunigung des Strahles braucht man auch ein kleinwenig "Leistung", zwar nur ein paar Milliampere - das ergibt aber - mit der hohen Spannung multipliziert - eine ganz schöne Leistung.

Das macht dann das Hochspannungsteil mit den 4 dicken Röhren. Anfassen war absolut ungesund und in Bruchteilen von Sekunden tödlich. Also war das alles doppelt und dreifach abgeschirmt und auch noch beim Öffnen des Käfigs blockiert.
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Ein Knackpunkt stellte sich später als neuralgische Fehlerquelle heraus, der doppelte Zeilentrafo, der als Ersatzteil sehr selten war.

Das Gewicht kommt ja von irgendwo her

Obwohl der Goya keinen großen Netztrafo hat, wiegt er eine ganze Menge. Auf der Rückeite sieht man auf den Platinen 2 kleinere Trafos. Die Funktion läßt sich nur mit dem Schaltplan beschreiben.

Das gesamte Chassis ist nach hinten herausklappbar und enthält jede Menge Drähte. Das irritiert mich immer wieder, denn solche Mengen an Löststellen müssen von Hand getätigt werden und das kostet kostbare Montagezeit.

Und es können sich viel zu leicht Verwechselungen einschleichen, die den Reparateur am Ende des Fließbandes richtig fordern. Wenn bei einer Vertauschung bereits Bauteile kaputt gegangen sind, wird es noch komplizierter.
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Auf dem zweiten Bild sieht man, daß die vier Deckelschrauben verrostte waren und auf den ALU-Winkel abgefärbt haben.
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Die 389te Valvo Farbbildröhre

Nach den gesammelten Informationen wurden die großen Bildröhren anfänglich in "vorsichtigen Lots" gefertigt. Die innere Beschichtung der Schirmfläche war überhaupt nicht trivial und wurde laufend angepaßt.
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Weitere Besonderheiten, die Potis

Wir sind im Jahre 1967 und fast alle Hifi-Geräte aus dieser Zeit "glänzen" heutzutage (in 2019) mit kratzenden und krachenden Potentiometern. Hier in diesem Fernseher sind die voll gekapselten Potis in Stückzahlen vorhanden. Es ging also auch bei Konsunmergeräten, so teuer könen die gekapselten Potis also nicht gewesen sein.

Auch die Trimmpotentiometer auf den Hauptplatinen sind noch fast neuwertig blank und nach 50 Jahren immer noch nicht verrottet.

Nachdem ich gesehen hatte, daß die Rückwandschrauben fast abgerostet waren, sind das hier erstaunliche Eindrücke. Also auch nach über 20 Jahren in einem Keller sind die Trimmpotis nicht kohlrabenschwarz.
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Wir werden den K6 nicht mehr einfach so mal in Betrieb nehmen . . . . .

Wie fast alle Röhrengeräte stammt der Philips K6 aus der 220 Volt Zeit und könnte mit 230 Volt ganz schön "ins Schwitzen" oder Dampfen kommen.

Das sind dann die weißen Rauchwolken wie bei dem riesen großen Telefunken HDTV Fernseher aus 1991, der es trotz Regeltrafo auch sehr übel nahm, plötzlich mit 230 Volt gequält zu werden.

Also fast alle diese Röhren-Fernseher brauchen nach wie vor saubere 220 Volt, sonst ist der Frust ganz schnell angesagt.

Rechts im Bild sehen Sie einen seltenen 1 KVA "Spannungskonstanter" aus dem Erbe der Fernseh GmbH Darmstadt.
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