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Hi-Fi Video - Videografieren heute

Ein Artikel aus der ELO 1980 Heft 06 von Michael Heysinger
Leider ist dieser Artikel einer dieser Buchstabenwüsten, die man nur ungern - oder besser - nur mühsam liest. Kein Bild hatte sich in dem originalen Artikel verirrt und alles wurde nachgepflegt.

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Mit der Systemvielfalt leben

Über Video-Technik wird viel geschrieben, aber kaum jemand hat den Mut, noch einmal ganz von Anfang an zu beginnen. Das wollen wir mit dieser Serie tun. So ging es dann auch im letzten Heft um das Schrägspuraufzeichnungsverfahren. Nur so kann man nämlich das hochfrequente Bildsignal auf Band aufzeichnen.

Video sickert ins Bewußtsein

Die Köpfe, die Mechanik und die Bandmaterialien wurden immer weiter verbessert; das hat die Aufzeichnungsqualität (ähnlich wie bei Ton-Cassettenrecordern) verbessert. Die Video-Bandgeschwindigkeiten wurden herabgesetzt und die schrägen Spuren bis auf Haaresbreite komprimiert.

Anfang der 70er boten in Europa Sony und Philips Videorecorder an. Nur zögernd erfaßte der Fernsehbegeisterte diese neue Technik. Etwa 150.000 Deutsche legten sich im vergangenen Jahr einen Videorecorder zu, um während der Olympischen Winterspiele den Krimi auf dem anderen Kanal nicht zu versäumen.

Videorecorder werden derzeit vorwiegend als „Zeitmaschine" benutzt, zum Aufzeichnen von Programmen, die aus irgendeinem Grund nicht gesehen werden können. Übrigens, das muß noch erwähnt werden, der Videorecorder zeichnet nicht nur auf, sondern empfängt auch alle Programme, zeitlich vorbestimmbar, mit einem eigenen Empfänger, unabhängig vom Fernsehgerät.

Und die TV-Kamera ?

Die eigene TV-Kamera wird noch relativ wenig eingesetzt. Hier kommt die Entwicklung erst jetzt richtig in Gang. Die Farben und auch die Bildschärfe lassen bei Videokameras unter 10.000 DM noch zu wünschen übrig. Auch bei der Tonaufzeichnung wurden erst später für den Amateur professionellere Mikrofone entwik-kelt, anfangs war man mit einfachen Schallwandlern zufrieden.

Zurück zu den 70ern, aber nur "videogedanklich". Damals waren nur das „VCR-System" von Philips (Anmerkung : und Grundig) und das System ,,U-matic" von Sony für den Heimgebrairch auf dem Markt.

Beide Systeme gibt es auch heute noch, letzteres ist aber eher für den semiprofessionellen Anwender gedacht. Das VCR-System „fraß" recht viel Bandmaterial; der Amateur wurde finanziell überfordert. Mit dem nachfolgenden VCR-Long-play-Verfahren erreichte man schon eine drei Stunden ununterbrochene Aufzeichnungsdauer, mit etwa 700m Magnetband. Die Aufzeichnungsspurbreite wurde gegenüber dem alten VCR-Verfahren nahezu halbiert. Die Spurbreite beträgt nur noch 85um (0,085mm). Auch die Abstände („Rasen") zwischen den Schrägspuren wurden verringert.

Die Spuren werden immer dünner

Wer glaubt, daß man nun mit drei Stunden Aufzeichnungsmöglichkeit und 85um Spurbreite am Ende war, der hat die nimmer ruhenden Entwickler unterschätzt. Zwei japanische Systeme, „VHS (Video-Home-System)" von Matsushita mit 13 Milliarden DM Jahresumsatz und 22 Lizenznehmern, und Sonys „Betamax",
Nummer zwei auf dem Weltmarkt, locken mit noch niedrigeren Bandgeschwindigkeiten und daher auch geringeren Bandkosten.

Beim VHS-System, das übrigens von einer Tochterfirma (JVC) für Matsushita entwickelt wurde, werden nur noch rund 50um breite Schrägspuren aufgezeichnet und bei Betamax sind es nur noch rund 33um.

Durch diese enorm dünnen Spuren konnte auch wiederum die Bandgeschwindigkeit drastisch gesenkt werden: bei VHS auf 2,3 cm/s und bei Betamax auf etwa 1,9 cm/s.

Während man beim VCR-Long-play-Verfahren für eine Drei-Stunden-Aufzeichnung noch etwa 700m Band brauchte, sind es beim VHS-System nur noch 250m und bei Betamax etwas über 200m.

Und dann kam Video 2000

Auf der letzten Funkausstellung (1979) schossen nun Grundig und Philips, was Spurbreite anbelangt, den Vogel ab. Die Aufzeichnungsverdichtung bei dem neuen System „Video 2000" ist so eng, daß mit 520 m Magnetband rund 8 Stunden lang aufgenommen werden kann. Die Spuren sind nur noch rund 23um (0,023mm) breit, also halb so dick wie ein Frauenhaar. Man hat nahezu die Grenzen des technisch Machbaren erreicht.

Hier wird auch nur noch die eine Hälfte (1/4 Zoll) des üblichen 1/2-Zoll-Bandes mit sehr schrägen Spuren aufgezeichnet. Die zweite Hälfte wird, wie bei der CC-Tonkassette, durch Umdrehen des Bandes bespielt. Dadurch erreicht man eine maximale Aufzeichnungsdauer von 2x4 Stunden.

Nun erfordert das Aufzeichnen so eng aneinanderliegender Schrägspuren eine ungeheure Präzision. Bei der Wiedergabe müssen ja die beiden routierenden Tonköpfe genau die vorher aufgezeichnete Spur treffen. Das ist kaum vorstellbar. Und doch, wo die Mechanik am Ende ist, beginnt sich die Elektronik erst so richtig wohlzufühlen. Die Videoköpfe werden elektronisch auf die richtige Position zu den Schrägspuren gesteuert. Zusätzliche Signale, die dem Videosignal überlagert werden und schon bei der Aufnahme dazukommen, helfen den Köpfen, mit einer Regelspannung die richtigen Schrägspuren zu finden.

Und der Ton?

Hier wird, wie bereits in der Tonband-Technik, bei allen Videoverfahren der Länge nach aufgezeichnet. Am Rand des Videobandes ist noch Platz auch für Stereoton. Allerdings, bei den niedrigen Bandtransportgeschwindigkeiten durch die immer mehr verfeinerte Video-Schrägspuraufzeichnung sind der Tonfrequenzaufzeichnung Grenzen gesetzt.

Der Ton wird also stiefmütterlich behandelt, er soll sich noch bei Bandgeschwindigkeiten von rund 2 cm/s wohlfühlen. Mehr als etwa 8000 Hz sind denn auch nicht möglich. Aber bei der Kombination aus Bild und Ton läßt man sich leicht von der etwas schlechteren Tonqualität ablenken.

Die derzeitigen Videosysteme und ihre Technik

Wir haben einen kurzen, zunächst recht oberflächlichen Streifzug durch das „Videoland" gemacht. Da Sie sicher neugierig sind, wie nun die derzeit handelsüblichen großen Systeme VHS, Betamax und Video 2000 genau funktionieren und welche Vor- oder Nachteile sie haben, wollen wir uns im nächsten Heft mit einigen technischen Finessen dieser Geräte beschäftigen.

Michael Heysinger (Fortsetzung folgt) - ELO 1 980, Heft 6

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