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Auf der Photokina 1978 zeichnet sich der Umschwung ab.

Dezember 20012 - von Gert Redlich - Die ersten erschwinglichen Farb-Video-Systeme kommen aus Japan und verdrängen die Schmalfilm Kameras. Zu der Zeit war auch Philips noch mit einer Kamera dabei. Doch das dauerte nicht allzulange. Das Sterben der Kleinbild- und Schmalfimtechnik war eingeläutet und Viele wollten es nicht wahr haben. Sie machten dann pleite. 1978 war der Anfang des großen Sterbens - vor allem in Deutschland.

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Streiflichter von der „Photokina'78"

Ein Einblick aus der Dezember ELO 1978, Heft 12 von Winfried Knobloch

Von der „billigsten Kamera der Welt" für 5.- DM bis zum fertigen Film- und Fernsehstudio reicht die Spannweite der größten Photoausstellung unseres Erdballs. Sie wird immer „elektronischer". Grund genug, um darüber zu berichten, wie weit schon heute Elektronik die herkömmlichen Mechaniken verdrängt, an welchen Stellen Elektronik die Phototechniken bestimmt und was Elektronik in möglicherweise schon naher Zukunft ersetzen wird.

Zwölf teils zweistöckigen Hallen in Köln

Die Verwirrung ist gewaltig. Wer sich durch die zwölf, teils zweistöckigen Hallen drängt, geht leicht in die Irre. Da hilft dann auch der gut gemeinte Handführer wenig, nur noch ein Kompaß. Eine ähnliche Verwirrung herrscht aber auch auf manchen Ständen. Wird die Video-Aufzeichnung in absehbarer Zeit die Laufbildfotografie, sprich: das Filmen, verdrängen?

5 Jahre voraus schauen - eine Ewigkeit ?

Die größte unter den neuen Farbkameras kommt von Philips. Sie trägt alle Elektronik in sich.
Die Farbkamera von National Panasonic samt Zusatzelektronik (Werkfoto: National).
Akai stellt seine Farbkamera gleich zum batteriebetriebenen Videorecorder (Werkfoto: Akai).

Nun, absehbar ist ein relativer Begriff. Einen Hersteller kann ein Zeitraum von fünf Jahren schon bedrängen. Denn soweit muß er mindestens vorausplanen. Wenn man dann die neuesten Farbfernsehkameras für den Hausgebrauch sieht, wird einem der Grund des Fürchtens klar. Einfach mit der Handkamera und dem tragbaren Videocassettenrecorder aufzeichnen und über die ohnehin dastehende „Glotze" wiedergeben, hat seine Vorzüge.
Keine Leinwand braucht hervorgeholt und erst gar nicht bis zum Abend gewartet werden.

Dafür nimmt schon heute mancher das noch höhere Gewicht und das größere Volumen der Aufzeichnungs-Anlage in Kauf. Vor allem, wer damit in der Nähe des fahrbaren Untersatzes bleibt. Schon jetzt spricht Toshiba ganz offen von der Farbkamera mit eingebautem Videorecorder. Und schon jetzt unterbieten sich die Hersteller in den Preisen der vorgeführten Farbfernsehkameras, die allesamt erst Ende 1979 auf den Markt kommen sollen.

Neues von den Herstellern

Akai rechnet mit 5000.- DM, National-Panasonic mit 4000.- DM und Philips mit 3000.- DM. Bolex setzt als Entwicklungsziel sogar einen Preis von weniger als Tausend DM fest. Doch das ist sicher stark verfrüht. Immerhin können die Anbieter, die schon erste Entwicklungsmuster vorführen, darauf hinweisen, daß diese Prototypen mit 100 Lux an Licht auskommen.

Daß es dabei den Filmkamera- und Projektorenherstellern heiß wird, ist verständlich. Zwar gibt es schon die ersten Farbdia- und Negativfilme mit 27 DIN (400 ASA) Empfindlichkeit (Kodak, Agfa), aber die werden die sich anbahnende Entwicklung auch nicht aufhalten können. Die Zukunft hat bereits begonnen.

Filmkamera mit aufgesetztem Autofocus-Zusatz (Werkfoto: Bolex)

Auch in der Projektion. Neben der sehr demonstrativen Fernsehprojektion (Advent) ist es gar nicht mehr so einfach, Schmalfilmprojektoren - auch mit Stereoton (Bolex, Eumig, Noris) - ins rechte Licht zu rücken. Denn schon werden neben den Ton(schmal)filmen - besonders herausgestellt „Krieg der Sterne" (MGM) - fertig bespielte Videocassetten aller Systeme angeboten; von etwa 150.- DM an bis zu 300.- DM (CMV-Film). Und Agfa überspielt gegen eine entsprechende Gebühr eigengedrehte Filme.

Anmerkung: Kurz danach machte Bolex pleite.

Der erste "Commodore" taucht auf

Da ist es für den Hobby-Elektroniker doch beruhigend, daß es bei allen derartigen Entwicklungen lange Übergangszeiten gibt, während deren noch immer die „alten" Produkte gehandelt werden. Ein Trost für die Schmalfilmer ist, daß sie von El-Ellec - bekannt durch ihren Transistortester in ELO 11/1977 - endlich ein perfektes Vertonungsverfahren samt Geräten beziehen können. Die gleiche Anzahl von Perforationslöchern im Tonband wie im Film — optoelektronisch abgetastet und miteinander verglichen - macht's möglich. Es mußte nur erst einer draufkommen. Demonstrativ beantwortete an diesem Stand ein Computer alle dazu auftauchenden Fragen. Sein Floppy Disc enthielt den Text von rund 65 Schreibmaschinenseiten gespeichert.

Der Winder war noch etwas Besonderes

Die kleinste Spiegelreflexkamera für Pocketfilm (Werkfoto: Asahi Pentax).

Der elektrische Trend bei den Kameras beschert uns jetzt den eingebauten Winder (Filmaufzug) , von der kleinen 110er Motorpocket von Agfa angefangen bis zur automatischen Filmeinfädelung bei der Spitzen-Spiegelreflexkamera von Konica (C. Braun). Anschraubbare Winder gibt es inzwischen schon zu fast jeder Spiegelreflexkamera, auch zu der interessanten „auto 110" von Asahi Pentax, ebenfalls eine Pocketfilmkamera. So lassen sich die 20 Bilder einer Filmkassette in weniger als 10s abknipsen, was vor allem die Filmhersteller freut.

Immer mehr Mikroelektronik aus Japan

Seit einem Jahr bewährte Autofocus-Kamera, die Konica C 35 (Werkfoto: Braun).
Motoraufzug jetzt auch bei Pocket-Kameras (Werkfoto: Agfa)

Die Elektronik aber zieht eindeutig in Richtung automatische Scharfeinstellung (Autofocus). Jeder Kamerahersteller, der auf sich hält, hält auch wenigstens einen Prototyp bereit. Meistens als Anbaugerät, passend an Stehbild- und Laufbildkameras. Nur Polaroid arbeitet dabei mit Ultraschall-Entfernungsmessung, alle anderen mit angewandter Optik. Die beiden Spiegel eines optischen Entfernungsmessers, von denen einer automatisch geschwenkt wird, lenken ihre Lichtstrahlen auf zwei Fotozellen. Diese erhalten nur dann die gleichen Lichtwerte, wenn die Spiegel gerade auf den anvisierten Gegenstand eingespielt sind. Dann stoppt der Motor, der zugleich auch die Optik einstellt, und es darf abgedrückt werden. Damit sich die Elektronik möglichst selten irrt, ist das Sucherfeld für die Scharfeinstellung recht klein.

Ganz neu ist diese Erfindung aber nicht, wie die Konica C 35 AF beweist, die schon seit etwa einem Jahr im Handel ist, und für weniger als 400.- DM außer der automatischen Scharfeinstellung noch Blenden- und Blitzautomatik bietet.
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1979 - Auch der Autor musste solch eine XD-7 haben mit viel Zubehör für damals ganz viel Ggeld

Der elektronische Leckerbissen ist zweifellos die „XD-7" von Minolta, die Blenden- und Zeitautomatik enthält, und die die unvermeidlichen Blendentoleranzen durch Zeitkorrekturen ausgleicht.

Erwähnenswert sind aber auch noch zwei Außenseiter: ITT mit einem eigenen Kamera- und Blitzgeräteprogramm und Viennaplex mit der „billigsten Kamera der Welt" für 5.— DM — ein Plastikgehäuse mit Billigstoptik und -Verschluß, an das eine 126er-Kassette und ein Blitzwürfel aufgeschnappt werden.

Bei den Blitzgeräten gab es an auffälligen Neuheiten eine gekonnte Elektronikdemonstration bei National und einen Blitz mit zwei Reflektoren bei PK; der kleinere Direktblitz läßt sich wahlweise auch abschalten. Viele Dunkelkammer-Timer werden jetzt digital, wenigstens in der Anzeige, und der erste vollautomatisch arbeitende Farb-Analyzer war auch zu sehen (Philips). Elektronik findet sich aber auch in der Dia-Projektion: Triacs steuern die Überblendung von einem Projektor zum anderen.

Winfried Knobloch im Dezember 1978

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