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1994 - der Markt ist am Ächsen - alles gibt es im Überfluß

Ein unrealistischer Nachlass
ebenso hier - da stimmt was nicht

Auf den Seiten der Zeitschriften und Magazine lesen wir in den Editorials (meist im Nachhinein - also mehrere Monate später), was denn das vergangene Jahr für ein wirtschaftlich miserables Jahr gewesen sei. Die Hersteller stöhnen, die Großändler und Importeure stöhnen und die Händler kämpfen um die nackte Existens.
Der König Kunde ist inzwischen zum Kaiser aufgestiegen und stellt immer höhere Forderungen - insbesondere, was die Auswahl an Geräten angeht. Der "Fachhändler" oder der "Elektromarkt" soll es gefälligst "vorhalten", was "er" sich ansehen möchte. - Das Internet war 1994 noch nicht so richtig in Sicht und darum kam man um die Händler nicht herum. Doch der Preiskampf war bereits in ruinösem vollem Gange.

Darum ein Blick auf den Frankfurter Video-Markt

In Frakfurt kämpften eine paar ganz große "überregionale" mit den letzten lokalen größeren Händlern gegen die allerletzten kleinen Fach-Händler. Am Ende hatten alle verloren. - Auch die Kunden. Übrigens mußten auch die japanischen Hersteller in diesem Spiel mitmachen und Federn lassen. Wie in der Grundig Historie ausführlich beschrieben, war Japan um 1990 defakto pleite, also direkt vor dem Staatsbankrott. Und deshalb waren die teils riesigen japanischen Firmen gezwungen, weltweit so viel wie möglich zu verkaufen - um jeden Preis, also um fast jeden Preis. Und diesem gnadenlosen Wettbewerb waren weder die deutschen Händler noch die letzten deutschen Hersteller gewachsen.

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Also schaun wir mal rein in das Radio Diel "Panorama" von 1994

Radio Diel in Frankfurt feiert sein 25 jähriges Juiläum. Und dazu gibt es wieder eine kleine Hersteller- bzw. Firmen- Ausstellung, die "Radio Diel Hifi-Video" 1994. 1969 habe es im Frankfurter Volksbildungsheim angefangen mit dieser Art der Hausausstellungen - damals auf nur 200 qm.

Wir starten mit den Videorecordern

Die waren damals noch teuer, denn die CD war gerade im Begriff, sich selbst brennen zu lassen und die DVD war noch nicht reif.

Bis hierhin schien das Ganze ja noch alles verständlich, wenn auch nicht vernünftig zu sein.

Es gab zu der Zeit ja etwa das zehnfache an Modellen von diesen paar Herstellern. Bei den Fernsehern fällt es dann eklatant auf, daß diese Fülle auch von den Händlern gar nicht mehr "bedient" werden kann, schon gar nicht in den Großmärkten mit ihren angelernten Taxifahrern.

Doch jetzt ufert die Modellvielfalt aus, völlig.

Ein Philips "Goya"

Die Typenbezeichnung fehlt hier. Es könnte sich um ein Sondermodell gehandelt haben, das speziell für solche Aktionen gebaut wurde. Bei Waschmaschinen und Trocknern ist es zum Beispiel üblich, nahzu baugleiche Geräte unter den unterschiedlichsten Nummern anzubieten.

Und jetzt kommen erst die Renner von SONY

Enormer Preisverfall !

Genau dieses 1994er Modell kostete 1998 nur noch 780.- incl. Mwst (im Ausverkauf !!) und dennoch mit einer gesunden Handelsspanne von über 33%. Jetzt in 2014 haben wir es entsorgen müssen, und es war fast neu.

It is not a Trick, es ist die Qualität der patentierten SONY Bildröhre.

Kommentar zu dieser Vielfalt aus 1994 :

Ein guter Freund von mir war jahrelang Abteilungsleiter in einer sehr großen Videoabteilung und hat mir versichert, weit über 40% der Geräte stehen dort nur zum Vergleich. Verkauft werden vielleicht 8 oder 10 Geräte von über 80 (in der Ausstellung), bei denen die Handelsspanne besonders hoch ist und eventuell ein saftiger Jahresbonus "droht". Je überzeugender das Auftreten des Verkäufers ist, selbst wenn er überhaupt keine Ahnung hat, desto besser ist das Verkaufsergebnis. Der unbedarfte Kunde wird mit dieser Vielfalt einfach nur erschlagen - absichtlich. - Dieses Fazit ist durchaus übertragbar - bei den über 120 Flachbildschirmen, die ich in einem Großmarkt in 2014 gezählt hatte, ist jeder überfordert.

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